gar nicht so ‚desperate‘

Mein Haushaltsplan kommt immer wieder durcheinander. Vormittags versuche ich ein Stockwerk oder zumindest ein Zimmer halbwegs auf Vordermann zu bringen. Das Klo zu putzen und das Bad aufzuräumen. So hat jeder Tag eine Aufgabe – aber jeder Tag hat auch seine unvorhersehbaren Ereignisse. Da kommt es dann schon mal vor, dass ich wochenlang nicht zum Spiegel putzen komme und jedes Mal wenn ich dran vorbeigehe ist er noch ein bißchen mehr verschmiert (dank meiner bald einjährigen Tochter). Dann ist es gar nicht so selten, dass die Krümel unter dem Essenstisch tagelang nicht aufgesaugt werden und schon mal als Zwischendurchsnack für eben genannte Tochter dienen. Den Bügelwäscheberg erwähne ich lieber garnicht und Gott sei Dank kann man Schranktüren zu machen! Die mit viel Mühe gezogenen Tomatenpflanzen sind teilweise auf dem Kompost gelandet, weil ich das ein oder andere Mal wohl das Gießen vergessen habe und mein Traum vom Kräuter- und Gemüsebeet bleibt wohl besser erstmal ein Traum. Und wenn ich mich mal auf den Boden lege um endlich wieder Sit-ups zu machen, habe ich gleich wieder einen Grund, die Sit-ups in Zukunft sein zu lassen. Die freie Sicht auf die Staubberge unter Schrank und Kommode lässt meinen Fitnesseifer schrumpfen.
Da mühe ich mich also jeden Tag ab. Putze, räume auf, wische Staub, putze, räume auf. Ein ewiger Kreislauf und das Ergebnis? Kaum sichtbar. Heute morgen erst haben die Kinder und ich das Kinderzimmer aufgeräumt. Großer act – und zwei Stunden später? Sah ALLES wieder wie vorher aus. Warum mache ich das eigentlich? Warum tue ich mir die Qualen einer Hausfrau an? Warum gehe ich nicht Geld verdienen, damit ich mir eine Putzfrau leisten kann?
Ich gebe zu, ich habe noch keine befriedigende Antwort gefunden. Und manchmal bin ich kurz vorm Verzweifeln, wenn ich zum xten Mal die Treppe gekehrt habe, und einen Tag später tummeln sich schon wieder Staubflocken in den Ecken. Der Hausfrauenjob ist undankbar, keine Frage. Egal, ob man es mit der Sauberkeit nun sehr gründlich nimmt, oder die Augen auch mal vor dem eingetrockneten Saftfleck verschließen kann. Die Arbeit reißt nicht ab, man muss treu und regelmässig seine ‚Runden machen‘, sonst kommt man am Ende gar nicht mehr hinterher. Also doch nur Nachteile und keine Vorteile? Eher ‚desperate‘, als ‚fulfilled‘?
Während ich das hier schreibe, sind mir ein paar Dinge eingefallen, die die Sonnenseiten des Hausfrauendaseins hervorheben. Es ist nicht alles so schlimm, wie es aussieht:

– Anstatt sich insgeheim als ‚Putze‘ oder ‚Mädchen für alles‘ zu bezeichnen, könnte man doch aus sagen: Ich habe das große Privileg als Managerin ein kleines Familienhotel zu betreiben. Es liegt in meiner Verantwortung, dass die Gäste (sprich Mann und Kinder) sich wohl fühlen und immer wieder gerne kommen. Das klingt nach Traumjob!
– Ich darf Aufgaben delegieren und muss nicht alles alleine machen! Als die Spiegel wirklich nicht mehr als Spiegel zu erkennen waren, habe ich meinen zwei Großen Putz- und Poliertuch in die Hand gedrückt und auf ihre Mission geschickt. Das Ergebnis? Ein paar wesentlich sauberere Spiegel und zwei stolze Mädels. Also Arbeiten ruhig einmal (auch an den Papa!) abgeben, dann fühlt man sich schon nicht mehr so überlastet.
– Ich lerne die kleinen, scheinbar unwichtigen Aufgaben treu zu erledigen. Treu zu sein im Kleinen. Wer das ‚kann‘ oder zumindest weiß, was das praktisch bedeutet, hat eine große Portion Lebensweisheit hinzugewonnen.
– Während meiner ‚einsamen‘ Runden durch das Haus begegnet mir Gott. Ich habe wahrscheinlich viel mehr Zeit und Raum auf Ihn zu hören, als es mir bewusst ist. Staubsaugen und Lappen auswringen beanspruchen nicht wirklich viel Gehirnarbeit. Da kann ich meinen Kopf und mein Herz während der Arbeit für Gott öffnen.
– Ich kann meiner Kreativität freien Lauf lassen! Ein ganzes Haus zum Dekorieren! Nur für mich ganz alleine! Ich kann praktisch tun und lassen, was ich will! Ein Innenarchitektenparadies!
– Ich lerne nicht alles so ernst zu nehmen. Spontan zu sein. Das Staubtuch ein Staubtuch sein lassen, weil draußen die Sonne so schön scheint. Ich lerne Prioritäten zu setzen! Und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
– Ich erfahre, wie ich reifer und erwachsener werde. Und alles nur durch das Mama- und Hausfrau-sein. Es ist ein kleines Highlight eine Problemsituation im Alltag zu meistern, die mich als Single völlig aus der Bahn geworfen hätte.
– Ich bin am Pulsschlag von Gottes Wirken. Jeden Tag darf ich kleine Schätze von Gottes Gnade entdecken. Mitten im größten Chaos glänzt Gottes Geist. Unscheinbar manchmal, aber wenn man weiter gräbt, dann findet man großen Reichtum. Kleine ‚Gnadennuggets‘ sind zum Beispiel, wenn die große Tochter mir Fragen über die Taufe stellt, die mittlere sich ein Lobpreislied zum Einschlafen wünscht und die Kleine in Freiheit ihre Welt erkundet. So wie wir das eigentlich auch tun sollten.
In Freiheit leben… guter Schlußgedanke. Auch unser Hausfrauendasein soll von Freiheit (und Freude!) durchdrungen sein.

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