Neuanfang

Meine große Tochter treibt mich zur Zeit an den Rand des Wahnsinns. Vor allem in den frühen Morgenstunden, wenn sie sich für die Schule fertig macht. Da löst eine zu weite Hose oder das Oberteil in der falschen Farbe (das wir ja nur am Vorabend zusammen ausgesucht hatten…) Weltuntergangsstimmung aus. Ich versuche ruhig zu bleiben, nicht zuletzt, weil die anderen zwei Mädchen noch schlafen sollen. Ich versuche logisch zu argumentieren. Ich versuche Kompromisse zu schließen. Das klappt manchmal. Am vergangenen Dienstag hat es nicht geklappt. Da fühlte ich mich nämlich nicht gut. Da war ich mindestens genauso verschlafen wie meine Tochter. Und da hat es mich tierisch aufgeregt, dass sie einen Schreianfall bekommen hat, weil ich ihr nicht erlaubt hatte, den Gürtel bis zum geht-nicht-mehr eng zu schnallen. Irgendwo muss das Frühstück ja auch noch hin.

Es war ein absolut lächerlicher Grund für eine Auseinandersetzung – aber irgendwie fand ich mich wutentbrannt mitten in einem Streit wieder. Früh um halb sieben in Deutschland. So läuft das also ab. Später beim Frühstück vorbereiten sind mir die Tränen nur so runtergelaufen. Ich habe mich geschämt, dass ich wegen einem Gürtel so aus der Haut fahren kann. Ich fand es unmöglich, dass meine Tochter sich nicht einmal ohne Tobsuchtsanfall anziehen kann. Ich fand es ungerecht, dass mein Mann schon längst außer Haus war und ich mit dem Konflikt alleine war. Ich war wütend, enttäuscht, einsam – und vor allem schuldig. Klar, irgendwann ist schluß mit lustig und wenn Mama sagt, Gürtel nicht so eng, dann wird der Gürtel halt nicht so eng gemacht, oder? Wo ist denn das Problem? Aber meine Reaktion. Wie ich es gesagt habe. Dass mir Worte entschlüpft sind, die ich am liebsten sofort wieder zurückgeholt hätte. Dass ich mich auf das Level meiner Tochter begeben habe und auch einen Tobsuchtsanfall bekommen habe. Ach, es ist alles schief gelaufen und das schlechte Gewissen drohte mir den ganzen Tag zu verderben.

Später am Vormittag bin ich im Internet über einen Clip gestolpert. Da trug eine Frau einen alten, dreckigen, zerschlissenen Mantel. Der Mantel sollte die Sünde darstellen. Dann rief sie Jesus um Hilfe an. Und er kam mit einem reinen, weißen Gewand. Und dann tauschten sie ihre Mäntel. Die Frau gab Jesus den alten, dreckigen und bekam den reinen, weißen dafür.

Wirklich? Ich darf mein Versagen von Dienstag morgen an Jesus abgeben und er nimmt es mir komplett weg? Keine Verhandlungen, keine Kompromisse, keine Bedingungen? Jesus ist auch für mich als Mutter am Kreuz gestorben. Er weiß, dass ich jeden Tag an meinen Kindern sündige und dass ich Vergebung brauche. Das haut mich um. Jesus nimmt mir den alten Mantel der giftigen Worte, der zu festen Handgriffe, der voreilig gesprochenen Verurteilungen ab und gibt mir im Gegenzug ein reines Gewand der Gnade, des Neuanfangs.

Das macht mir Mut für jeden neuen Tag. Es spornt mich an, mich in Geduld und Liebe zu üben. Es motiviert mich Jesus ähnlicher zu werden. In den kleinen und großen Konflikten des Alltags.

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