Licht in der Dunkelheit

Mein Herz ist ganz voll. Und mein Bauch auch.

Seit ein paar Wochen wohnen drei Flüchtlingsfamilien bei uns in unmittelbarer Nachbarschaft. Ein Bürogebäude stand leer und das dient nun als neues Zuhause für insgesamt 12 Menschen aus Syrien. 7 Kinder und 5 Erwachsene.

Den Kindern sind wir schon ein paar Mal auf dem Spielplatz begegnet, der direkt an unseren Garten angrenzt. Und sie haben unseren Hasen immer mal ein bißchen Grünzeug gepflückt.

Es lag mir so sehr auf dem Herzen diesen Menschen einen Willkommensgruß vorbeizubringen. Wir haben überlegt am 4. Advent mit ein paar Weihnachtsplätzchen, einem Teelicht und etwas selbst Gebastelten zu den Familien zu gehen.

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Ich gebe zu: wir waren ganz schön aufgeregt. Was ist wenn wir uns überhaupt nicht verständigen können? Wie reagieren sie auf unangemeldeten Besuch? Welche Tageszeit eignet sich am besten?

Schließlich gingen wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit los – damit das Teelicht schön scheinen kann. Licht in der Dunkelheit.

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Wir liefen die paar Meter, klingelten und ein Mädchen, vielleicht 10 Jahre alt, öffnete uns. Sie erkannte uns und winkte uns gleich herein. Wir dachten – ganz deutsch – wir würden an der Tür ein paar Höflichkeiten austauschen, die Mitbringsel übergeben und dann wieder Nachhause gehen. Etwas überrumpelt kamen wir in das große Zimmer rein, das wohl mal ein Großraumbüro war. Jetzt steht ein großer Esstisch dort, der für viele Personen gedeckt war. Essen war auf dem Tisch, es roch nach einem anderen Land, nach Heimweh, nach Entwurzelt-sein.

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Wir wurden freundlich begrüßt, wir übergaben unsere Gaben, jeder versuchte sofort ein Weihnachtsplätzchen, wir versuchten uns ein wenig zu verständigen. Einer hatte auf seinem Handy eine App, die in die jeweils andere Sprache übersetzte – wir sagten also einen Satz in unserer Sprache, das Handy registrierte die Bedeutung und übersetzte. Dank dieser Technik erfuhren wir, woher diese Menschen kommen und wie lange sie schon hier in Deutschland sind. Gerade mal 7 Wochen.

Wir wurden sofort eingeladen uns mit an den Tisch zu setzen, wir bekamen Kaffee serviert und ein herzhaftes Gebäck in die Hand gedrückt. Wir zogen unsere Jacken aus, wir wollten die Gastfreundschaft nicht ausschlagen.

Zu unserer Überraschung klingelte es kurze Zeit später wieder. Ein deutsches Ehepaar kam herein. Es stellte sich heraus, dass sie die Flüchtlinge betreuen –  sie versuchen ihnen den Start in Deutschland möglichst leicht zu machen. Sie brachten einen Übersetzer mit. Ein Mann aus Syrien, der schon über ein Jahr in Deutschland lebt. Sein Deutsch war ausgezeichnet und dank ihm entstand so etwas wie eine Konversation. Zwar immer noch holprig, doch es war schön etwas mehr von den Familien zu erfahren. Dass sie zum Beispiel aus Damaskus und Aleppo kommen. Städte, von denen wir immer nur in den Nachrichten gehört haben, waren plötzlich greifbar nahe. Ich kann nur erahnen, wie viel Leid und Schmerz diese Familien in den letzten Jahren durchgemacht haben. Jetzt sitzen sie lächelnd hier in Deutschland – eine gefährliche, lange Flucht liegt hinter ihnen – und bieten uns immer wieder von ihren syrischen Köstlichkeiten an.

Nachdem wir nach dem Essen noch einen Tee serviert bekommen, machen wir uns auf den Heimweg. Es tut gut die frische Luft zu atmen, in der Wohnung war es sehr stickig und das stark gewürzte Essen hat uns auch innerlich aufgewärmt.

Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass diese drei Familien nur ein paar Meter von uns entfernt wohnen, in einer typisch deutschen Wohnsiedlung. Ich will ihnen so sehr die Liebe Gottes bringen. Diese entwurzelten, vom Leben geschlagenen, vom Heimweh gezeichneten, vom Krieg innerlich verwundeten Menschen – die doch voller Hoffnung hier bei uns einen Neustart wagen wollen.

Ein Mann sah besonders traurig aus. Er bewirtete uns ständig, goß immer wieder Getränke nach, kümmerte sich um die Kinder -aber seine Augen!  So groß und so traurig.

Herr, mach mich zu deinen Händen und Füßen. Bring durch mich Frieden zu diesen Menschen. Du liebst sie. Du kannst sie heilen. Du kannst sie zu ihrem wahren Zuhause bringen. Zu dir.

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Ein Gedanke zu „Licht in der Dunkelheit

  1. Ich finde das schön, wenn jemand versucht geflüchteten Menschen herzlich Willkommen zu heißen. Inzwischen habe ich selbst, seit April auch mit Flüchtlingen zu tun und es sind wirklich nette Leute. Ich finde das immer wieder schön, wen ich von mehreren HelferInnen oder netten Menschen lese, die etwas machen 🙂 Alles Liebe!

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