Tanzkurs für die Ehe

Mein Mann und ich machen seit ein paar Wochen einen Tanzkurs. Unser Tanzlehrer sagte gleich am Anfang folgenden Satz, den ich nicht mehr aus meinem Kopf herauskriege:

‚Wenn der Mann weiß, wo er hin will und die Frau führt, dann bekommt die Frau den Freiraum kreativ zu werden.‘

Das ist für mich die neue Lieblingsdefinition von Ehe.

Es ging bei diesem Satz um eine Tanzfigur, wo der Mann die Richtung vorgeben soll und gleichzeitig seiner Frau einen kleinen Schubs gibt und sie so eine Drehung vollführen kann, während der Mann im Tanzschritt bleibt. Klingt kompliziert und ist es auch.

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Im Leben sowieso. Unsere Ehe war lange davon geprägt, dass mein Mann sich der Norm dieser Welt angepasst hat und meine Sehnsucht nach Abenteuer, nach Freiraum mehr oder weniger übergangen wurde. Wie vielen Frauen geht es noch so? Und wie viele Männer dümpeln in ihren Jobs herum und wissen überhaupt nicht, wie das funktionieren soll, seine Frau anzuleiten, als ‚Herr des Hauses‘ die Richtung für die Familie vorzugeben?

Es klingt so angestaubt, so altbacken und es ist doch Gottes wunderbares, frisches Design für jede Ehe: ‚Deshalb sage ich noch einmal, dass jeder Ehemann seine Frau so lieben soll, wie er sich selbst liebt, und dass die Ehefrau ihren Mann achten und respektieren soll.‘ (Epheser 5, 33)
Was in unseren Ohren wie eine Beschneidung unserer Rechte klingt, wie ein autoritäres Gefängnis, ist purer Segen für eine Ehe. Denn was Paulus hier schreibt, ist ein wunderschönes Abbild der Beziehung Jesu zu uns, seiner Kirche. Es ist ein Kreislauf der Liebe, eine perfekt auf einander abgestimmte Tanzfigur. Jesus gab sein Leben hin für uns, auf dass wir Leben haben können. Der Ehemann soll sein Leben für seine Frau hinlegen, dass sie leben kann. Die Ehefrau reagiert mit tiefer Liebe und Vertrauen und so beginnt ein sinnlicher Tango.

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Kein Tänzerpaar würde je auf die Idee kommen, zwei unterschiedliche Tänze gleichzeitig zu tanzen. Die Tanzschritte müssen aufeinander abgestimmt sein, sonst endet alles im Chaos. Es braucht einen Lehrer, der die Schritte beobachtet und immer wieder korrigiert. Oft muss man von vorne beginnen, neu zählen. 1,2,3,4 … und los. In einer christlichen Ehe ist dieser Tanzlehrer der Heilige Geist. Er hilft uns, uns aufeinander einzustimmen, er sensibilisiert unsere Ohren auf die Himmelsmusik, nach der wir tanzen sollen. Manchmal ist es ein quirliger Foxtrott, manchmal ein langsamer Walzer oder ein schneller Cha cha cha. In jeder Lebenssituation aber gilt es, dass der Mann fest steht, die Schritte kennt und die Frau führen kann. Die Frau darf sich sicher fühlen, den Schritten folgen lernen und immer wieder unerwartete, lebenslustige Drehungen einbauen. Und es geht nie gegeneinander, sondern immer nur miteinander. Es ist ein aneinander Festhalten, ein sich durch die Wendungen des Lebens gemeinsam durchnavigieren. Nie ist es ein Solotanz, nie ein sich vor den anderen drängen, um alleine das Rampenlicht zu genießen. Es ist ein aufeinander zugehen, den anderen im Blick haben.

Und es hat etwas damit zu tun, eigene Vorstellungen nieder zu legen. Will ich mich rechts drehen, aber der Mann links vorgibt, treten wir uns gegenseitig auf die Füße. Im gemeinsamen Gebet, können Mann und Frau die Richtung für die Ehe und die Familie empfangen.

Wer nicht miteinander betet, kann auch nicht gemeinsam durchs Leben tanzen.

Dann ist es vielleicht eher ein Line Dance, nebeneinander her. Gott hat für jede Ehe, für jede Familie eine Berufung, ein Ziel. Es ist soviel mehr, als Geld herein bringen, ein Haus abzahlen, die Großeltern stolz machen. Wir haben vergessen, in was für einen grandiosen Ballsaal wir stehen, welch unglaubliche Weiten uns zum Tanzen zur Verfügung stehen. Wir haben uns auf einen Tanz beschränkt, weil der bequem ist und vorhersehbar. Wir drehen uns nur im Kreis. Wir hören nur noch die eine Musik, weil wir den Takt kennen und keine unvorhersehbaren Wendungen passieren.

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Aber Gott möchte, er sehnt sich danach, dass wir als Ehepaar lernen, aus unserer Komfortzone herauszutanzen. Eine eigene Symphonie wurde für deine Ehe, für deine Familie komponiert, Tanzschritte erfunden, die nur ihr tanzen könnt. Es geht um so viel mehr. So viel mehr Leben, so viel mehr Musik, so viel mehr Abenteuer.

Und so möchte ich die Ehemänner dazu herausfordern, einen neuen Tanz zu erlernen. Welchen Traum hat Gott dir ins Herz gelegt? Welche Berufung liegt auf dir, auf deiner Ehe, auf deiner Familie? Und ihr Ehefrauen: lasst euch führen. Lasst euch fallen. Gebt euch dem Takt des Himmels hin, schließt die Augen, genießt und lebt.

Im Geist sehe ich, wie Ehepaare neu das Tanzen lernen. Am Anfang ist es schwierig und holprig. Dicke Eisenketten, die sie an das Alte, das Vertraute ketten, beschweren die Bewegungen. Aber die Musik schwillt an, die Kristalleuchter des Ballsaales werden entzündet und die Ketten lösen sich in Staub auf. Mit jeder kühnen Drehung kommt neue Freiheit, neue Liebe, entstehen neue Visionen, neue Ziele. Der Mann steht aufrechter als je zuvor und die Frau strahlt vor Lebenslust.

Gott tut etwas Neues in den Familien. Es ist nicht mehr nur ein dahin existieren, ein sich nicht abheben von der Welt. Wir tanzen unser Leben und im Tanz wird eine Freude freigesetzt, die durch nichts zu erklären ist, außer durch Jesus – der König, vor dem wir tanzen. Der auf dem Thron sitzt und lachend im Takt klatscht. Im mutigen Tanzen, im Ausprobieren neuer Tanzschritte, im Vertrauen auf den Heiligen Geist, nehmen wir neues Land ein. Wir ‚ertanzen‘ neues Territorium.

Und die Musik wird schneller und wir wirbeln und lachen und lieben.

 

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Hand in Hand

Heute morgen habe ich mich zum Joggen aufgemacht und bin mit dem Fahrrad zu einem nahe gelegenen Erholungsgebiet gefahren. Auf dem Weg dorthin ist mir ein altes Ehepaar aufgefallen. Sie schon etwas gebeugt, er schlank und noch mit festem Schritt, beide grauhaarig und lebensweise. Sie gingen nebeneinander her und was mir sofort auffiel: sie hielten sich an den Händen. Und das war kein sich gegenseitig stützen oder eine langweilige Gewohnheit –  das war ein liebevolles Festhalten, die Finger ineinander verschränkt.

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Mich hat dieses alte Paar tief berührt. Man sieht kaum noch alte Ehepaare, die Zärtlichkeiten austauschen, die sich an den Händen halten, die gemeinsam unterwegs sind. Entweder geht der Mann mürrisch voraus und die Frau geht, mit den Gedanken woanders, hinterher – oder umgekehrt. Offensichtlich verbittert von zu viel Lebensschmerz. Auseinander gelebt vor Jahren schon. Irgendwie noch zusammen, aber im Herzen getrennt. Selten sehe ich ein glückliches altes Paar und wenn, dann ist das wie ein Lichtblick. Ein Hoffnungsschimmer. Ein Mutmacher. Es gibt sie noch, die Ehen, die halten. Und die nicht nur irgendwie zusammengekittet bleiben, sondern die erfüllt sind von Liebe zueinander. Von Respekt und Wohlwollen für den anderen.

Als mein Mann und ich unsere Liebesbeziehung begannen, da waren unsere Hände wie Magnete: immer fand die eine Hand die andere. Und die Berührung war elektrisierend! Es war undenkbar nebeneinander her zu gehen ohne Händchen zu halten.

Heute ist das gar nicht mehr so selbstverständlich. Oft sind die Hände füreinander auch gar nicht frei, weil je ein Kind an je einer Hand ist. Vier Kinder, vier Hände. Wenn es uns doch einmal vergönnt ist, fühlt sich unsere Berührung sanft und sicher an. Wir gehören zusammen, nach all den Jahren. Das an die Hand nehmen ist wie eine sichtbare Bestätigung dessen, was wir im Herzen fühlen. Ich bin sehr dankbar, so einen liebevollen Ehemann zu haben. Das ist unverdienter Segen. Ein Geschenk.

Und doch war es in den 14 Ehejahren, die wir nun schon gemeinsam erleben durften, auch immer wieder schwer die Berührung der Hände zu zu lassen. Da wurden unbedachte Worte gesagt, die Hände nicht versöhnend ausgestreckt, sondern abwehrend hochgehalten. Dank Jesus haben wir uns immer wieder gefunden. Und unsere Hände haben sich wieder aneinander festgehalten.

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Als ich mit meiner Joggingrunde heute morgen fast am Ende war, bin ich dem alten Paar ein zweites Mal begegnet. Ich habe angehalten und ihnen gesagt, dass es mich so berührt, dass sie sich an den Händen halten – das sehe man leider nicht oft. Die Frau reagierte ganz erstaunt: ‚Aber, so laufen wir doch immer! Jeden Tag!‘ Und sie fuhr fort: ‚Jeden Tag kommen wir hierher zum spazieren. Das macht uns so Freude.‘ Dann lehnte sie sich gegen ihren Mann, der sie die ganze Zeit mit einer unglaublichen Liebe und Zuneigung ansah: ‚Wir haben uns lieb.‘, sagte sie. Ich wünschte ihnen alles Gute und joggte die letzten Meter bis zu meinem Fahrrad. Was für eine schöne Begegnung.

Vielleicht ist heute ein guter Tag zum Händchen halten! Nimm doch deine Frau oder deinen Mann jetzt gleich an die Hand. Ganz zärtlich, ganz unverhofft. So wie damals. Ganz am Anfang.

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Bruchstücke

2016 war ein sehr schwieriges Jahr für mich. Mich quälten Panikattacken, Angstzustände, depressive Gedanken. Ich habe eine Traumatherapie begonnen und so arbeite ich nun Stück für Stück an meiner kranken Seele. Trage Stein für Stein den großen Berg ab, der sich in meinem Herzen angehäuft hat. Das ist ein schmerzhafter, anstrengender Prozess. Mein Mann hat mich gestern Abend gefragt, was mein Highlight im vergangenen Jahr war. Ich musste lange nachdenken. Es gab viele schöne Momente, aber alle waren überschattet von meinem Kampf gegen die Angst. Aber: es gab schöne Momente. Jeder schöne Moment konnte entstehen, weil ich mich bewusst dazu entschlossen hatte. Ich stieg in die Seilbahngondel, ich hielt die Enge in der U-Bahn aus, ich konzentrierte mich auf mein Atmen in der Menschenmenge. Es war ein anstrengendes Jahr. Aber ich habe nicht klein beigegeben und beharrlich das Schöne gesucht.

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Vor ein paar Wochen habe ich eine sehr ermutigende Predigt gehört. Es ging über die Phasen im Leben, wo wir im Feuerofen sind. Wo unser Glaube getestet wird. Wo die Umstände schlimm sind. Wo wir das Gefühl haben, es keine Sekunde länger aushalten zu können. Im Buch Daniel (Kapitel 3) wird beschrieben, wie Daniels Freunde in den Feuerofen geworfen werden, weil sie sich weigerten König Nebukadnezar anzubeten. Das Feuer war so heiß, dass die Wachen, die die drei Männer in das Feuer schmeißen sollten, umkamen. Schadrach, Meschach und Abed-Nego aber überlebten das Feuer. Das Einzige, das verbrannte, waren ihre Fesseln. Und sie waren im Feuer nicht allein: Jesus war bei ihnen. Und so ist das bei mir. Weil ich weiß, dass Jesus bei mir ist, kann ich dieses Feuer aushalten. Das Einzige, was verbrennt, sind meine Fesseln. Ich weiß, dass ich aus diesem Feuer lebend herauskommen werde, bestärkt in meinem Glauben, tiefer verwurzelt in meiner Liebe zu Jesus. Ja, soll das Feuer nur wüten – mein Herr ist bei mir!

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Und so gehe ich mit etwas wackeligen Beinen in das neue Jahr. Noch nie war mir so sehr bewusst, dass ich Jesus so sehr brauche. Jeden Tag. Aber das ist okay, denn genau da will ich sein: in der totalen Abhängigkeit. Heute morgen hatte ich die Gelegenheit im Gebetsraum des Gebetshauses Augsburg zu sein. Ich bin so dankbar für diese Zeit, denn gibt es etwas besseres, als ein neues Jahr zu den Füßen Jesu zu beginnen? Der Livestream vom Gebetshaus in Kansas City lief im Hintergrund. Kurz bevor ich gehen wollte, wurde dieser Refrain gesungen: ‚You choose the weak to shame the wise, you fill the broken with praise.‘ (Du erwählst das Schwache um das Starke zu beschämen, du erfüllst die Zerbrochenen mit Lobpreis.). So gehe ich in das neue Jahr: schwach, aber stark durch Jesus, zerbrochen, aber voller Lob für meinen Gott.

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Und weil ich gerade über Zerbruch schreibe, möchte ich euch davon erzählen, wie Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens Neues schaffen kann: mein Mann war jahrelang süchtig nach Pornographie. Schon lange bevor wir uns kennen lernten, war er abhängig. Irgendwann hat er mir davon erzählt, ich weiß gar nicht mehr, ob das vor oder nach unserer Hochzeit war und mir war damals auch nicht bewusst, wie tief er in diesem Sumpf steckte. Im Laufe unserer Ehe beichtete er mir immer wieder mal, das er sich etwas angesehen hatte. Ab und zu stolperte ich über ein Bild, das auf unserem Computer gespeichert war. Jedesmal war das für mich extrem schwierig, ich fühlte mich betrogen. Es dauerte immer eine Weile, bis das Vertrauen wieder hergestellt war. Aber im Großen und Ganzen war ich davon überzeugt, dass mein Mann das im Griff hat. Er ist der standfestere von uns beiden, der geerdete, der ruhige, der Besonnene. Ich machte mir keine große Gedanken. Was ich nicht ahnte, war, dass mein Mann ein Doppelleben führte. Er konsumierte mehr und mehr Pornographie und bekam schließlich Angst um unsere Ehe, Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Und, Gott sei Dank!, zog er die Notbremse und fing an radikal gegen seine Sucht anzugehen. Jesus setzte ihn nach vielen Kämpfen frei und nun hat er mit anderen Männern, die ebenfalls frei von Pornographie wurden, einen Verein gegründet: www.free-indeed.de. Die Webseite ist seit ein paar Tagen online und ab heute kann man sich für einen Onlinekurs anmelden.

Die Sucht nach Pornographie ist weiter verbreitet, als man denkt. Laut einer Studie des weißen Kreuzes, konsumieren 2 von 3 christlichen Männern regelmäßig Pornographie. Auch Frauen sind vermehrt von dieser Sucht betroffen. Pornographie ist eine Droge, die alles lähmt und alles zerstört. Mein Mann und ich beten, dass christliche Männer in Deutschland da nicht länger mitmachen. Wir beten, dass das Thema immer mehr in den Mittelpunkt rückt und so Ehen gerettet werden können. Wir beten, dass Männer frei werden, dass sie in ihre Berufung hineinkommen, dass sie ihre Ehefrauen so lieben können, wie Gott es sich gedacht hat – in Reinheit und mit ganzer Hingabe. Wir beten und glauben, dass Gott Männer ruft in ihre wahre Identität zu kommen, dass Kämpfer und Helden erwachen und die Welt verändern.

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Bruchstücke. Vielleicht stehst du auch am Anfang dieses neuen Jahres und hast lauter Scherben in den Händen. Ich will dir von Herzen Mut machen. Ich staune so sehr, wie Gott die Bruchstücke, die die Sucht im Leben meines Mannes hinterlassen hat, genommen hat und nun diese Plattform geschaffen hat, die tausenden von Männern helfen kann, frei zu werden. Einfach nur, weil mein Mann und seine Freunde damals alles Gott hingegeben haben und mutig genug waren, zu ihrer Schwachheit zu stehen. Und da stehe ich auch – einfach nur schwach und zerbrochen, aber mit Hoffnung erfüllt, dass mein Gott alles gut machen wird und dass er einen Plan hat, der meine kühnsten Träume übertrifft. Das gilt auch für dich!

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Der Herr macht alles neu.

Alle Fotos von Inka Hammond

Für immer und ewig

Der Hauskreis von meinem Schwager und meiner Schwägerin ist auseinandergebrochen, weil sich von den ingesamt vier Paaren drei Paare getrennt haben. Vor einer Woche erfuhr ich, dass die Ehe von einem gläubigen Ehepaar, das ich seit meiner Kindheit kenne, am Ende ist.
Und ich kann mich noch sehr gut an den skeptischen Gesichtsausdruck einer (ledigen) Freundin erinnern, als ich ihr nach ein paar Jahren als verheiratete Frau sagte, unsere Ehe geht es gut.

Die Ehe hat keinen guten Ruf mehr. Sie scheint nicht das zu halten, was sie verspricht. Zusammen alt werden. Nie alleine sein müssen. Den besten Freund immer an der Seite. Alles Humbug?

Die Statistiken machen sprachlos: jede zweite Ehe wird geschieden. Das schaut in christlichen Kreisen nicht viel anders aus. Ehen zerbrechen wie billiges Porzellan. Das, was man sich vor dem Traualtar oder dem Standesbeamten verspricht, scheint nicht zu zählen. Für immer und ewig. In guten wie in schlechte Zeiten. Bis dass der Tod uns scheidet. Alles leere Floskeln, die man sich auch sparen könnte?

Was hat sich Gott bloß dabei gedacht, als Er Mann und Frau füreinander bestimmte? Die Ärzte singen ‚Männer und Frauen sind das nackte Grauen…‘ und es mag einem so vorkommen, als würde Gottes Idee von einer Institution namens Ehe in dieser Welt keinen Platz mehr haben.

Ich glaube, die Ehe ist zuallererst eine Reise zu Jesus hin. Es ist mehr als ein Geben und Nehmen, es ist ein komplettes sich Hin-geben für den anderen. Mit Jesus als mein Vorbild kann ich meinen Mann bedingungslos lieben und annehmen und ihm dienen. Mit Jesus als Vorbild lass ich ihn nicht hängen, wenn es Schwierigkeiten gibt. Mit Jesus als Vorbild bleibe ich meinem Mann treu. Ehrlich gesagt könnte ich mir nicht vorstellen, eine glückliche Ehe zu haben, ohne dass Jesus im Mittelpunkt ist. Er macht das Unmögliche möglich: zwei egoistische Sünder lernen von sich selber wegzusehen und für den anderen da zu sein. Diese kleine Zelle in der großen Gesellschaft kann das Zentrum von himmlischer Liebe sein, die hinausfließt in die Welt. Die Liebe zwischen Mann und Frau soll die Liebe von Jesus zu den Menschen reflektieren und in anderen eine Sehnsucht wecken nach ihrem Schöpfer. Wenn das das Fundament einer Ehe ist, dann hat man auf Stein gebaut.

(Ich möchte euch an dieser Stelle den Film ‚Fireproof‘ empfehlen. Total realistisch und sehr bewegend erzählt er die Geschichte von einem Ehepaar, dessen Ehe fast am Ende ist und das durch den neugefundenen Glauben an Jesus eine zweite Chance bekommt. )

liebeserklärung

unsere herzen waren voller träume
die welt
lag uns zu füßen
und wir konnten es kaum erwarten
für immer zusammen zu sein
das weiße kleid
der rote rosenstrauß
du so überwältigend schön
in deinem schwarzen anzug

das ja-wort
aus tiefster überzeugung gesprochen
nie waren wir uns einer sache so sicher

das leben holte uns ein
mit seiner traurigen tragik
viele träume zerbrachen
es läuft nicht immer wie geplant

8 jahre
und drei kinder später
werfen wir uns dann und wann
einen blick zu
zwischen mädchen-geplapper
und baby-gequietsche
inmitten von wäschebergen
und dreckigem geschirr
bleibt die zeit kurz stehen
und wir wissen
es ist alles richtig so

‚…viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken.‘ Hoheslied 8,7