auf Augenhöhe gehen

Den folgenden Gedanken trage ich schon länger mit mir herum. Vor allem jetzt, wo die Weihnachtszeit bald beginnt, erscheint er mir passend…denn Weihnachten ist die Zeit des Jahres, wo uns einmal mehr bewusst gemacht wird, wie sehr Gott uns liebt. Der Herr der Herren, der Schöpfer des Universums, der König der Könige ging mit uns auf Augenhöhe. Er beugte sich so tief in unsere Welt hinein, er machte sich kleiner als ein Stecknadelkopf und wurde schließlich mit Mühen entbunden. Seine Lungen mussten sich entfalten, wie bei allen Säuglingen auch, er tat einen ersten, hilflosen Schrei, so wie alle Babys. Er war darauf angewiesen, dass ihn jemand wickelt, er musste gestillt werden, wahrscheinlich litt er auch unter Bauchschmerzen – ebenso wie jedes Neugeborene. Dieser Gedanke fasziniert mich, weil er so deutlich zeigt, was Gott da vollbracht hat. Er ging in die Knie, um uns in die Augen sehen zu können. Er kam in unsere Welt, um einer von uns zu sein, er wurde ein Teil unserer Welt.
Damit hat Gott uns auch einen wesentlichen Teil davon gezeigt, was die Beziehung zwischen Eltern und Kind ausmacht. Es bedeutet: ich komme dir nahe, ich will verstehen, was dich bewegt, ich will bei dir sein, ich will mit dir auf Augenhöhe gehen.
Ich habe damit – ehrlich gesagt – meine Probleme. Denn es kann bedeuten, dass ich auf dem Spielplatz am hellichten Tage den bösen Drachen mime und meine Kinder zu deren Begeisterung hin und her jage. Es kann bedeuten, dass ich mich mit Playmobilfiguren und Barbiepuppen in der Hand wiederfinde und ich mir vorstellen muss, dass der Kinderzimmerteppich ein endloses tiefes Meer ist, wo Haie schwimmen. Es bedeutet auf alle Fälle, dass ich immer gerade dann, wenn Zeitnot ist, einen Streit schlichten oder Tränen abwischen muss, wegen einer Schramme, die ich zwar auf dem Knie nicht entdecken kann, die aber sicherlich furchtbar weh tut. Es bedeutet, dass ich mich selber nicht so wichtig nehme. Es bedeutet, Opfer zu bringen. Es bedeutet ein auf-die-Knie gehen.
Das fällt mir nicht immer leicht. Ich würde mich lieber, wie jede andere ’normale‘ Mutter auch auf die Parkbank setzen und einen netten Plausch halten und meinen Kindern ab und zu mal zuwinken und zwischendurch ihnen Ermahnungen zurufen. Ich würde wirklich viel lieber die Küche aufräumen oder mich mal 10 Minuten auf die Couch legen, als schon wieder Playmobil meets Barbiepuppe zu spielen. Und es kostet mich Überwindung mein Kind nicht einfach nur mit einem ungeduldigen ‚Ist doch halb so schlimm‘ über den Kopf zu streicheln, anstatt die Tränen ernst zu nehmen und liebevoll abzuwischen. Immer wieder muss ich mich von mir selber abwenden, und meinen Kindern zuwenden.
Wir wissen, mit wieviel Hingabe und Liebe und Geduld Jesus seine Aufgabe hier auf dieser Welt erfüllt hat. Obwohl er sich bestimmt öfters so gefühlt hat, wie ein Vater mit seinem trotzigen, chronisch unzufriedenem Kind.
Ich will von Jesus lernen. Ich will in die Welt meines Kindes eintauchen. Ich will mich klein machen und Teil werden von der Freude, dem Spiel, dem Abenteuer, den Sorgen und Nöten. Ich will mir nicht zu schade sein zum Puppen spielen, Buch vorlesen und Turm bauen und Geschichte erzählen.
Ich will mit meinem Kind auf Augenhöhe gehen. Ich will ein Teil seiner Welt sein.

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