Mama und Tochter

Ich sitze gerade auf dem Badezimmerboden und balanciere den Laptop auf meinen Beinen. Das Badezimmer ist momentan der einzige Ort in unserem Zuhause, wo Ruhe herrscht und ich die Türe hinter mir schließen kann. Außerdem das einzige Zimmer mit Fußbodenheizung und das genieße ich Frostbeule gerade sehr.

 

Ich denke schon lange über meine Identität als Tochter nach. Tochter Gottes. Lange Zeit war das für mich völlig abstrakt, unerreichbar. Ich hatte und habe Schwierigkeiten Gott als Vater zu sehen. Ich empfinde es so, als wäre ich in meiner Identitätssuche in den letzten Wochen ein wenig voran gekommen und in meinem Herzen ist so eine Art Bestätigung, ein ‚ja‘, das aus der tiefsten Tiefe meiner Seele kommt.

 Meine Identität

Identität – das ist so ein großes, unüberschaubares Wort…wer bin ich eigentlich? Was kommt zutage, wenn ich anfange meine Masken abzulegen, ehrlich nachzufragen, genau hinzusehen? Wenn ich beginne, die Mauern, die ich um mein Herz gebaut habe, Stein für Stein abzutragen?
Wir alle tragen Verletzungen in uns, die uns davon abhalten die Frau zu werden, die sich Gott erdacht hat, als er uns schuf. Um unsere weichen, sensiblen Herzen tragen wir schwere Eisenketten – jedes Glied eine Verletzung, ein unbedachtes Wort, Enttäuschung, zerbrochene Träume…

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Irgendwie haben wir uns durch die Kindheit und die Pubertät gekämpft, immer ein Kettenglied mehr, und heute wissen wir gar nicht mehr, für was unser Herz eigentlich schlägt unter all dem harten, kalten Eisen. Es gilt Kettenglied für Kettenglied abzutragen, anzusehen, loszulassen. Bis mehr und mehr unser Herz zutage kommt, blutend und pulsierend und uns ahnen lässt, was Gott ganz am Anfang in uns hineingelegt hat. Träume werden wieder groß, Visionen steigen wieder auf, das Leben färbt sich wieder bunt.

Durch die Wüste

Wenn Gott uns Frauen in unsere Identität als Tochter führt, müssen wir zuerst diese Eisenketten ansehen und das tut unendlich weh und hält viele davon ab, diesen Weg einzuschlagen. Es scheint einfacher, die Ketten zu behalten und dafür nur klein zu träumen oder vielleicht ganz damit aufzuhören. Es scheint leichter, sich ein wenig Härte zu behalten, denn man weiß nie, wann und wo das Leben zuschlägt.

Ich bin so dankbar, dass Gott mit mir meine Vergangenheit ansieht, damit ich meine Zukunft gestalten kann. Dass er dieses kleine, verletzte, hilflose Mädchen in seine Arme nimmt und zur mutigen, selbstbewussten, starken Frau heranreifen lässt. Das ist ein langer, beschwerlicher, oft schmerzhafter Weg, aber der Weg ins verheißene Land führt durch die Wüste. Die Wüste aber wird zum Ort der Begegnung mit meinem Erlöser, dort spricht er freundlich zu mir. Dort führt er mich in meine Identität, in meine Berufung.

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Mama und Tochter

Ich bin Mama von vier Kindern und seit meine erste Tochter vor fast 11 Jahren geboren wurde, wurde ich zur Erwachsenen. Ich übernahm Verantwortung. Ich traf Entscheidungen. Ich verabreichte Medizin. Ich organisierte den Haushalt. Ich tat all die Dinge, die erwachsene Mütter tun. Ich ging so in meiner Rolle als Mama auf, das ich vergaß, Tochter zu sein. Ich glaube, das ist ein Balanceakt für uns Mamas: unsere Berufung Tochter zu sein, inmitten von unseren kleinen Töchtern und Söhnen, die uns brauchen und auf uns angewiesen sind, nicht zu vergessen. Wir sind da, wir sind bereit, wir investieren, wir geben, wir wickeln und stillen, wir füttern, wir räumen auf. Wir sind die ultimativen Multitasker.
Aber wir sind auch auf jemanden angewiesen. Wir müssen auch zu jemanden aufschauen. Wir brauchen auch Zeit auf seinem Schoß, müssen unseren Kopf an seine Brust lehnen. Wir brauchen seinen Zuspruch, seine Ermutigung. Wir brauchen ihn, der Sinn und Identität in unser Mamaherz spricht – wir sind Töchter und brauchen unseren himmlischen Vater.

Lass die Mama, die alles im Griff haben will, die ihre to-do-Listen schreibt, einfach mal los. Lehne dich zurück, such dir einen Ort der Ruhe – und sei es das Badezimmer. Und dann begegne dem Blick, der dir sagt: ‚Du bist geliebt.‘

Du hast die Wäsche wieder nicht geschafft? Alles okay. Dein Temperament ist wieder mit dir durchgegangen? Ruh dich bei mir aus. Du denkst, du kannst deinen Kindern nicht gerecht werden? Lass mich dein Alles sein.

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Ich bin geliebt

 

Liebe Mama, dieser Blick Gottes auf mir ist meine Sehnsucht. Dieser Blick erinnert mich an meine Identität. Dieser Blick gibt mir Ruhe und Frieden mitten im Alltagsgewitter. Und je mehr ich mein Herz öffne, je mehr ich diese Eisenketten abtrage, je mehr ich den liebenden Vaterblick an mich ranlasse, desto mehr pulsiert in mir diese urtiefste Berufung Tochter zu sein. Mit Leib und Seele, Haut und Haar.

Tochter, geliebte Tochter. Das bin ich.

 

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Schleudergang

Ich fische immer wieder kleine Schätze aus meiner Waschmaschine. Keine Ahnung, wie sich Centstücke, kleine Steine und Spielfiguren mit der Dreckwäsche in die Waschtrommel hinein schmuggeln. Aber nach dem Waschgang fallen sie mir in die Hände, quietschesauber.

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Obwohl ich die Hosentaschen und Jackentaschen (mehr oder weniger) sorgfältig kontrolliere, fallen mir die kleinen Schätze meiner Kinder nicht auf. Erst das heftige Drehen der Waschmaschine, das hin und her schleudern, fördern sie zutage.

Liebe Mama, im Leben ist das oft genauso. Oft kommen die verborgenen Schätze in uns erst nach einem ordentlichen Schleudergang ins Licht. Oft muss das Leben uns hin und her beuteln, dass wir versteckte Kräfte erahnen können, uns an verschüttete Träume erinnern oder vergessene Gaben wieder entdecken. Sanfte Handwäsche tut da oft nicht viel, es muss ein wenig wilder zugehen, das Wasser muss etwas heißer sein, der Waschgang länger.

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Es kommt nach so einem Schleudergang nicht nur der ein oder andere Schatz ans Licht. Der eigentliche Sinn und Zweck ist, dass wir gereinigt werden. Die heißen Waschgänge des Lebens sind unser Heiligungsprozess. Hartnäckige Flecken werden bearbeitet, alles schmuddelige, dreckige, muffelige muss weichen – wir werden sauber und rein. Was für ein schönes, befreiendes Lebensgefühl!

Ich lerne, Gott mit den Waschgängen meines Lebens ganz zu vertrauen. Er geht sorgfältig mit den verschiedenen Textilien um, wäscht Seide nicht bei 90 Grad. Und ich staune immer wieder über die kleinen Schätze, die ich in der Waschtrommel meines Herzens finden darf.

‚Druck von außen kann dich innerlich verändern.‘ Lisa Bevere

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Liebevolle Erinnerung

Da berührt Gott mein Herz so tief und ein paar Wochen später habe es schon wieder vergessen…Den Kopf voller to-do’s, das Herz voller Fragen. Der Alltag schafft es immer wieder, mich in meine Knie zu zwingen und lässt mich vergessen, welch großer Segen am Wegesrand zu finden ist. Und so brauche ich Gottes liebevolle Erinnerungen. Es ist ja kaum zu fassen, dass er nicht die Geduld mit mir verliert. Ein Gedächtnis wie ein Sieb hab ich, wenn es um seine Wunder und Wohltaten geht, die er an mir getan hat.

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Vor ein paar Tagen habe ich ein Buch aus dem Regal gezogen, dass ich schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr gelesen habe. ‚Poesie für jeden Tag‘ heißt es und ist so romantisch, wie der Titel verspricht. Ich liebe Gedichte, habe sie schon immer geliebt und auch selbst geschrieben. Seit unser viertes Kind auf der Welt ist, war mein Leben zu hektisch, ich chronisch übermüdet, so dass ‚Poesie‘ kaum Platz fand zwischen Windeleimer und Milchreistöpfen. Und vor ein paar Tagen eben, war mein Impuls es sei höchste Zeit mal wieder für ein bißchen Bildung für meine Seele. Ein paar schöne, kunstvolle Sätze, wie ich sie nie verwende, wenn ich mit meinen Kindern diskutiere, wer mit Tischdecken dran ist. Ein bißchen Träumen und Schwelgen in meiner kleinen Welt, die auf der einen Seite so übersichtlich begrenzt ist und doch so viel Chaos bergen kann.

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Ich öffnete das Buch, blätterte, bis ich das richtige Datum fand und las das Gedicht für diesen Tag. Und Gott sprach in mein Herz, wieder einmal:

‚Herz, mein Herz, sei nicht beklommen
Und ertrage dein Geschick,
Neuer Frühling gibt zurück,
Was der Winter dir genommen

Und wie viel ist Dir geblieben!
Und wie schön ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was Dir gefällt,
Alles, alles darfst Du lieben!‘

(Heinrich Heine)

Mit Tränen in den Augen dachte ich an jenen eiskalten Tag im Park, wo Gott mir auch schon den Frühling für meine Seele verheißen hat. Und nun erinnerte er mich liebevoll durch ein altes Gedicht an seine Verheißung, als ich gerade dabei war, zu vergessen und zu verzweifeln.

Nur Mut, mein Herz. Und Mut für Dein Herz, liebe Mama! Lass dich heute liebevoll von Gott an verborgene, verschüttete Versprechen erinnern. Der Herr sieht Dich und geht seinen Weg mit Dir. Vielleicht gefällt Dir die ein oder andere Abzweigung nicht. Vielleicht gehst Du einen einsamen Weg, vielleicht musst Du gerade durch einen dunklen Wald und Angst will sich breit machen in Dir. Vielleicht geht es schon lange steil bergauf und Du denkst, Du schaffst keinen weiteren Schritt.

Lass Dich heute ermutigen und erinnern. Der Herr ist mit Dir.

Eiszeit

Auf meinem Weg durch den Park. Die Luft ist eiskalt. Ich ziehe den Schal hoch, richte den Blick auf den Boden. Schnell gehe ich vorwärts.

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Wie oft gehe ich so durch das Leben? Gehetzt von den Umständen, kein Blick für meine Umgebung, den Elementen des Lebens scheinbar schutzlos ausgeliefert.

Als ich zitternd vor Kälte und mit einem bangen Herzen meinen Weg fortsetzte, hatte ich mit einem Mal den Eindruck das Lachen Gottes zu hören. Ein herzliches, offenes, liebevolles Lachen. Mit einem Mal brach die Sonne zu mir durch, ich hob meinen Blick und wollte dieses Lachen festhalten, mich in diesem Lachen bergen, es nie mehr vergessen. Dieses Lachen veränderte plötzlich meine Perspektive – um mich herum war noch tiefster Winter, aber ich hörte die ersten Vögel zaghaft zwitschern. Ich spürte, wie die Natur – scheinbar tot -um mich herum brodelte; ich sah förmlich, wie die Äste an den Bäumen intensiv arbeiteten, dass bald die ersten Knospen kommen können. Es war, als würde Gott in mein Herz sprechen:

Meine geliebte Tochter! Du siehst nur Winter, spürst nur Eiseskälte. Du ahnst nicht, welch großartige Dinge, ich für dich vorbereitet habe. Siehst du es nicht, erkennst du es nicht? Bald grünt und blüht dein Leben! Was noch grau und gefroren ist, wird fruchtbare Erde, was noch leblos auf die Sonne wartet, wird vor Leben strotzen. Warte nur ab, meine Tochter. Meine Worte sind wahr und meine Hoffnung real. Lass den Winter nur sein Werk tun, ich tue das meine in der Verborgenheit. Und das Verborgene wird triumphieren! 

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Ich war so tief bewegt über diese Gottesbegegnung in diesem menschenleeren Park. Wie konkret und oft so unerwartet der Herr doch in unser ängstliches Herz sprechen kann…Tiefer Frieden erfüllte mich und ein paar Schritte weiter entdeckte einen Baum, der tatsächlich schon die ersten Knospen trug. Ganz klein, ganz zaghaft. Als ich ein kleines Ästchen abbrach, war das Innere grün und saftig. Und das bei Eis und Schnee und Minusgraden…

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Seit ein paar Tagen nun trage ich diese Worte mit mir herum und bewege sie in meinem Herzen. Und ich glaube, dass der Herr nicht nur zu mir gesprochen hat, sondern dass diese Botschaft auch für dein Herz gilt. Egal in welcher Lebenssituation du dich befindest – der Winter wird weichen und der Frühling wird dein Leben bunt machen. Gib nicht auf, du Königstochter, sondern halte dich nah an Jesus, der dich durch die Eiszeit deiner Seele trägt. Der dir Sonne und Wärme spendet, wenn alles um dich herum kalt und klamm ist.

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Nimm dir ein wenig Zeit und versuche das Lachen Gottes zu hören! Er thront über den Schwierigkeiten unseres Lebens und verliert nie den Mut. Sein Lachen zeigt mir, dass er das gute Ende sieht, dass er um den Sieg weiß.

Winter, tu nur was du kannst! Du machst mir keine Angst. Mein Gott ist ein Gott des Neuanfangs, der Hoffnung, des immer wiederkehrenden Frühlings.

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‚Steh auf meine Freundin, meine Schöne und komm! Denn der Winter ist vorüber, die Regenzeit ist vorbei und vergangen. Die Blumen beginnen zu blühen, die Zeit des Singens ist gekommen.‘ Hohelied 2, 10

‚Doch auf sein Wort hin schmilzt alles wieder. Er schickt seine Winde und das Eis taut.‘ Psalm 147, 18

‚Denkt nicht mehr daran, was war und grübelt nicht mehr über das Vergangene. Seht hin: ich mache etwas Neues; schon keimt es auf. Seht ihr es nicht? Ich bahne einen Weg durch die Wüste und lasse Flüsse in der Einöde entstehen.‘ Jesaja 43, 18-19

Alle Fotos: Inka Hammond

 

 

Mangel aushalten

Ein Blick in meine Tupperschublade war ernüchternd: keine Dose fürs Pausenbrot vorhanden. Immer fehlen diese Dinger.

Ständig dieser Mangel in meiner Küche: zu kleine Arbeitsfläche, keine ordentliche Bratpfanne, ein Kühlschrank, der nicht einwandfrei funktioniert.

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Ein Blick in mein Herz. Ebenso ernüchternd. Zuwenig Zufriedenheit. Unsicherheit. Angst. Sorgen. Der Mangel lässt mein Herz manchmal flattern, wie die Flügel eines kleinen, eingesperrten Vogels.

Mangel wird im Duden so beschrieben:

Fehlen von etwas, was vorhanden sein sollte, was  gebraucht wird.

Synonyme sind zum Beispiel:

Minus, Zuwenig, Knappheit.

Manchmal, nein ganz oft, und  – ganz ehrlich: gerade jetzt definiert Mangel gut meinen Allgemeinzustand. Ich schimpfe vor mich hin, ärgere mich über die Sachen, die ich nicht habe, die ich nicht bin. Ganz schnell bin ich in der Mangelspirale nach tief unten gefangen, wo Bitterkeit und Unfrieden herrscht. Mein Mangel öffnet Tür und Tor für noch mehr ‚zuwenig‘. Meine Augen sehen nur noch das, was nicht da ist. Mein Umgang mit meinem Mangel sensibilisiert mich für das, was nicht ist und was ich doch so gerne hätte und wäre.

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Aber ich lerne, dass ich meinen Mangel in der Gegenwart Gottes aushalten darf. Mein Gott füllt meinen Mangel aus. Nicht immer mit dem, was ich wählen würde. Und auch nicht immer dann, wenn ich denke, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt. Manchmal auch gar nicht oder dann wieder ganz unerwartet schnell. Ich lerne mit meinem Mangel vor den Thron Jesu zu kommen und zu erwarten, dass er mir voll einschenkt. Bis zum Überfließen. (Psalm 23). Ich lerne inmitten meines Mangels Jesus zu sagen, dass er genügt. Inmitten meines Mangels, meiner Schwachheit, meiner unerfüllten Träume, meiner zu kleinen Küche, ist er genug. Mehr als genug.

Jesus begegnet mir in meinem Mangel. In meinem nicht-haben. Meinem nicht-sein. Und da, wo ich es am wenigsten erwartet hätte, erfahre ich Fülle. Fülle des Lebens. Das Leben, das Jesus anrührt, wird reich, wird voll, wird tief. Ich habe zwar keine Bilder von meinem Eigenheim, dem superteuren Urlaub, der Luxusyacht, die ich zum Angeben auf den Tisch legen könnte. Aber ich habe Frieden, wenn der Sturm des Lebens tobt, ich habe Einblick in die Schätze des Himmels, die mir hier und jetzt schon zur Verfügung stehen und ich darf erleben, wie mein himmlischer Vater ganz konkret in meinen Alltag eingreift und meinem Mangel verscheucht.

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Das Leben ist mehr als Besitz, Karriere, pralles Geldkonto. Das wahre, echte Leben passiert, wenn ich auf meinen Knien vor Jesus bin und spüren darf, dass er mich sieht. Das echte Leben begrenzt sich nicht auf das, was vor meinen Augen ist, auf das was ich habe oder eben nicht.

Zu lange habe ich gedacht, mein Mangel hält mich auf, behindert mich auf meinem Weg ins erfolgreiche Leben. Jesus denkt anders. Er macht gerade meinen Mangel zum Sprungbrett in ungeahnte Höhen. Wenn vermeintliche Sicherheiten wegfallen, dürfen wir erfahren, was wirklich hält, was wirklich zählt. Wenn ich erlebe, dass Gott mich trotz meiner Schwachheit und meines Versagens beruft, ist das das größte Glück.

‚Gott bringt die Verlassenen heim, er führt die Gefangenen hinaus ins Glück…‘
Psalm 68, 7

‚Er stillt mein Verlangen…‘
Psalm 23,  3

 

 

Bruchstücke

2016 war ein sehr schwieriges Jahr für mich. Mich quälten Panikattacken, Angstzustände, depressive Gedanken. Ich habe eine Traumatherapie begonnen und so arbeite ich nun Stück für Stück an meiner kranken Seele. Trage Stein für Stein den großen Berg ab, der sich in meinem Herzen angehäuft hat. Das ist ein schmerzhafter, anstrengender Prozess. Mein Mann hat mich gestern Abend gefragt, was mein Highlight im vergangenen Jahr war. Ich musste lange nachdenken. Es gab viele schöne Momente, aber alle waren überschattet von meinem Kampf gegen die Angst. Aber: es gab schöne Momente. Jeder schöne Moment konnte entstehen, weil ich mich bewusst dazu entschlossen hatte. Ich stieg in die Seilbahngondel, ich hielt die Enge in der U-Bahn aus, ich konzentrierte mich auf mein Atmen in der Menschenmenge. Es war ein anstrengendes Jahr. Aber ich habe nicht klein beigegeben und beharrlich das Schöne gesucht.

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Vor ein paar Wochen habe ich eine sehr ermutigende Predigt gehört. Es ging über die Phasen im Leben, wo wir im Feuerofen sind. Wo unser Glaube getestet wird. Wo die Umstände schlimm sind. Wo wir das Gefühl haben, es keine Sekunde länger aushalten zu können. Im Buch Daniel (Kapitel 3) wird beschrieben, wie Daniels Freunde in den Feuerofen geworfen werden, weil sie sich weigerten König Nebukadnezar anzubeten. Das Feuer war so heiß, dass die Wachen, die die drei Männer in das Feuer schmeißen sollten, umkamen. Schadrach, Meschach und Abed-Nego aber überlebten das Feuer. Das Einzige, das verbrannte, waren ihre Fesseln. Und sie waren im Feuer nicht allein: Jesus war bei ihnen. Und so ist das bei mir. Weil ich weiß, dass Jesus bei mir ist, kann ich dieses Feuer aushalten. Das Einzige, was verbrennt, sind meine Fesseln. Ich weiß, dass ich aus diesem Feuer lebend herauskommen werde, bestärkt in meinem Glauben, tiefer verwurzelt in meiner Liebe zu Jesus. Ja, soll das Feuer nur wüten – mein Herr ist bei mir!

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Und so gehe ich mit etwas wackeligen Beinen in das neue Jahr. Noch nie war mir so sehr bewusst, dass ich Jesus so sehr brauche. Jeden Tag. Aber das ist okay, denn genau da will ich sein: in der totalen Abhängigkeit. Heute morgen hatte ich die Gelegenheit im Gebetsraum des Gebetshauses Augsburg zu sein. Ich bin so dankbar für diese Zeit, denn gibt es etwas besseres, als ein neues Jahr zu den Füßen Jesu zu beginnen? Der Livestream vom Gebetshaus in Kansas City lief im Hintergrund. Kurz bevor ich gehen wollte, wurde dieser Refrain gesungen: ‚You choose the weak to shame the wise, you fill the broken with praise.‘ (Du erwählst das Schwache um das Starke zu beschämen, du erfüllst die Zerbrochenen mit Lobpreis.). So gehe ich in das neue Jahr: schwach, aber stark durch Jesus, zerbrochen, aber voller Lob für meinen Gott.

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Und weil ich gerade über Zerbruch schreibe, möchte ich euch davon erzählen, wie Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens Neues schaffen kann: mein Mann war jahrelang süchtig nach Pornographie. Schon lange bevor wir uns kennen lernten, war er abhängig. Irgendwann hat er mir davon erzählt, ich weiß gar nicht mehr, ob das vor oder nach unserer Hochzeit war und mir war damals auch nicht bewusst, wie tief er in diesem Sumpf steckte. Im Laufe unserer Ehe beichtete er mir immer wieder mal, das er sich etwas angesehen hatte. Ab und zu stolperte ich über ein Bild, das auf unserem Computer gespeichert war. Jedesmal war das für mich extrem schwierig, ich fühlte mich betrogen. Es dauerte immer eine Weile, bis das Vertrauen wieder hergestellt war. Aber im Großen und Ganzen war ich davon überzeugt, dass mein Mann das im Griff hat. Er ist der standfestere von uns beiden, der geerdete, der ruhige, der Besonnene. Ich machte mir keine große Gedanken. Was ich nicht ahnte, war, dass mein Mann ein Doppelleben führte. Er konsumierte mehr und mehr Pornographie und bekam schließlich Angst um unsere Ehe, Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Und, Gott sei Dank!, zog er die Notbremse und fing an radikal gegen seine Sucht anzugehen. Jesus setzte ihn nach vielen Kämpfen frei und nun hat er mit anderen Männern, die ebenfalls frei von Pornographie wurden, einen Verein gegründet: www.free-indeed.de. Die Webseite ist seit ein paar Tagen online und ab heute kann man sich für einen Onlinekurs anmelden.

Die Sucht nach Pornographie ist weiter verbreitet, als man denkt. Laut einer Studie des weißen Kreuzes, konsumieren 2 von 3 christlichen Männern regelmäßig Pornographie. Auch Frauen sind vermehrt von dieser Sucht betroffen. Pornographie ist eine Droge, die alles lähmt und alles zerstört. Mein Mann und ich beten, dass christliche Männer in Deutschland da nicht länger mitmachen. Wir beten, dass das Thema immer mehr in den Mittelpunkt rückt und so Ehen gerettet werden können. Wir beten, dass Männer frei werden, dass sie in ihre Berufung hineinkommen, dass sie ihre Ehefrauen so lieben können, wie Gott es sich gedacht hat – in Reinheit und mit ganzer Hingabe. Wir beten und glauben, dass Gott Männer ruft in ihre wahre Identität zu kommen, dass Kämpfer und Helden erwachen und die Welt verändern.

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Bruchstücke. Vielleicht stehst du auch am Anfang dieses neuen Jahres und hast lauter Scherben in den Händen. Ich will dir von Herzen Mut machen. Ich staune so sehr, wie Gott die Bruchstücke, die die Sucht im Leben meines Mannes hinterlassen hat, genommen hat und nun diese Plattform geschaffen hat, die tausenden von Männern helfen kann, frei zu werden. Einfach nur, weil mein Mann und seine Freunde damals alles Gott hingegeben haben und mutig genug waren, zu ihrer Schwachheit zu stehen. Und da stehe ich auch – einfach nur schwach und zerbrochen, aber mit Hoffnung erfüllt, dass mein Gott alles gut machen wird und dass er einen Plan hat, der meine kühnsten Träume übertrifft. Das gilt auch für dich!

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Der Herr macht alles neu.

Alle Fotos von Inka Hammond

Mit Jesus am Frühstückstisch

Vor ein paar Tagen habe ich meinen Kindern völlig verschlafen am Frühstücksttisch  eine Bibelgeschichte aus einem Kinderbuch vorgelesen. Die Bilder und auch die Sprache in diesem Buch sind auf Kleinkinder ausgerichtet, was meiner morgendlichen Gehirnfunktion sehr zugute kommt. Obwohl meine Kinder schon älter sind, mögen sie die einfach gezeichneten Bilder und die kindlichen Formulierungen. Und ich kann mich im Halbschlafmodus bei den riesigen Buchstaben nicht wirklich verlesen.

Es ging um die Geschichte um Simon, den Fischer. Der eine ganze Nacht auf dem See Genezareth arbeitete und keinen.einzigen.Fisch fing. Völlig gefrustet fuhr er am morgen zum Ufer zurück, nur um von Jesus um einen Gefallen gebeten zu werden. Er sollte sein Boot etwas ins Wasser fahren, so dass Jesus von dort zu den Menschen sprechen konnte, ohne dass es Gedränge gab und jeder Jesus gut sehen konnte. Simon hat das getan, obwohl er gerade die ganze Nacht hart gearbeitet hatte, keinen Erfolg erzielt hatte und mit Sicherheit sein Boot einfach nur festmachen und sich schlafen legen wollte.

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Aber nicht nur das. Als Jesus fertig war mit reden, sagte er zu Simon: ‚Simon, nimm dein Boot, fahre ins tiefe Wasser und fange ein paar Fische.‘ (O-Ton Kinderbuch) Ganz ehrlich, wenn ich Simon gewesen wäre, hätte ich gesagt: ‚Nein, sorry. Ich war die ganze Nachte da draußen. Fische fängt man nachts, Jesus. Ich bin kein blutiger Anfänger, ich kenne mich in dem Business schon etwas aus. Du hast mein Boot schon die letzten Stunden besetzt, ich bin müde, ich will ins Bett. Auf Wiedersehen.‘ Aber Simon, der übermüdete Fischer, hörte auf Jesus und fuhr mit seinem Boot nochmal raus auf den See und  – hatte den Fang seines Lebens. Er fing so viele Fische, dass andere Fischer ihm zur Hilfe kommen mussten.

Da ist die Geschichte aber immer noch nicht zu Ende. Man muss sich das mal vorstellen: Simon, völlig am Ende seiner Kräfte, aber überdreht happy, weil er absolut unerwartet mega Erfolg beim Fischen hatte und jetzt richtig viel Geld mit seinem Fang machen konnte, wurde von Jesus mit diesen Worten am Ufer empfangen (wieder O-Ton Kinderbuch): ‚ Jetzt‘, sagte Jesus, ‚wirst du Menschen fischen.‘ Und dann steht da ganz banal: ‚Simon und seine Freunde ließen die Fische liegen. Sie stiegen aus den Booten. Und sie gingen mit Jesus.‘ (Lukas 5,1-11)

Da sass ich mit meinem Kaffee am Frühstücktisch und hatte Tränen in den Augen. Die Geschichte wurde so einfach aufgezeichnet, ohne große Worte, aber die Tiefe ist enorm. Und ich konnte nicht anders – gleich hatte ich Parallelen zu meinem eigenen Leben im Kopf:

Wie oft  hatte ich schon durchwachte Nächte, war am Morgen völlig frustriert? Und war mein Herz da offen und weich für Jesus? Hätte ich mein Boot für Jesus nochmal rausgefahren? Bin ich als todmüde Mama bereit am frühen Morgen auf Jesus zu hören und mein erschöpftes Ich hinten an zu stellen?

Und hätte ich wie Simon, mir etwas von Jesus sagen lassen, was ich doch so viel besser weiß? Wie oft verstopft mir mein eigener Stolz die Ohren und ich kann Jesu Ratschlag nicht hören?

Und, Hand aufs Herz, wenn ich mal so richtig erfolgreich bin, wenn alles glatt läuft, wenn mein Leben glitzert und glänzt und mein Boot voller Fische ist – würde ich alles stehen und liegen lassen, um mich von Jesus berufen zu lassen? Sind mir nicht Geld, Ansehen und Pinterest wichtiger, als das zu tun, wozu Jesus mich beruft?

Dieses etwas kitschige Kinderbuch wurde mir zum Spiegel. Gottes Wort ist eben mächtig, auch wenn es in gewöhnungsbedürftigen kindlichen Sätzen  daher kommt.

Ich, als Mama, will wie Simon, der Fischer sein. Demütig, selbstlos, Jesus zentriert. Mein Boot soll ins Wasser gelassen werden, wenn er es will, nicht erst wenn mein Wohnzimmer aufgeräumt ist und ich diese lästigen Kilos wieder runter habe. Im Hier und Jetzt, im Chaos, in meiner Müdigkeit, in meinem Versagen will ich Jesus zur Verfügung stehen. Will ein sanftes Herz haben, wenn es mir eher nach Türen knallen zumute ist. Will meine Kinder umarmen, wenn ich lieber ein One-Way-Ticket nach weit-weg hätte. Will lieben, wenn es schwer fällt, will zuhören, wenn mir schon der Kopf schwirrt.

Ich frage mich, woher Simon die Kraft genommen hat, so selbstlos zu sein? Ich frage mich, woher ich mir die Kraft nehmen soll, so eine hingegebene Mama zu sein?

Ich glaube, Simon hat Jesus angesehen. Er hat ihm in die Augen geschaut. Er hat erkannt, dass dieser Mann jedes Risiko, alle Hingabe wert ist. Ein Blick in Jesu Augen und alles verändert sich. Auch mein müdes Mamaherz.

 

 

 

photo credit: gnseblmchen <a href=“http://www.flickr.com/photos/129811870@N06/29888833224″>Julie O I</a> via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/“>(license)</a&gt;

photo credit: Henry Hemming <a href=“http://www.flickr.com/photos/48263027@N03/31159080752″>Who Shall Have the Fishy?</a> via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/“>(license)</a&gt;

Haussegen

Was als Traum begann, wird nun Wirklichkeit!
Ich freue mich sehr, euch ‚Haussegen‘ vorzustellen. 

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Vor einigen Wochen habe ich mal in die Alltagsliebe-Welt hineingefragt, ob sich jemand vorstellen kann sein Zuhause während des eigenen Urlaubes, einer anderen Familie zur Verfügung zu stellen. Ein bisschen aufgeregt war ich schon. Für Haustausch gibt es ja einige große Internetportale, aber so ganz uneigennützig seine eigenen vier Wände einer anderen Familie zum Urlaub machen anzubieten, das ist schon noch mal was anderes. Und nun haben sich bereits 10 Familien gefunden, die es auf dem Herzen haben, Haussegen zu unterstützen! Das ist so wunderbar!

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Je mehr ich über das Konzept ‚Haussegen‘ nachgedacht habe, desto mehr macht es in meinem Herzen Sinn. Apostelgeschichte 2,44 erzählt davon, dass die ersten Christen alles untereinander geteilt haben, was sie besaßen. Das war eine enge Gemeinschaft, ein sich-aufeinander-verlassen-können, ein aufeinander-aufpassen. Heute sind wir davon oft weit entfernt. Der Egoismus ist auch in den Kirchen und Gemeinden verwurzelt, tiefe Konfessionsgräben trennen uns.

Meine Vision für Haussegen ist,

dass sich Christen, die sich sonst nicht kennengelernt hätten, Freundschaft schließen und einander zum Segen werden. Dass Dankbarkeit und Wertschätzung für unser eigenes Hab und Gut wächst. Dass Menschen, die ihr Leben in die Mission und in den vollzeitigen Dienst investieren und sich von einem knappen Gehalt keinen Familienurlaub leisten können, mit einer wunderschönen Urlaubszeit gesegnet werden. Dass kinderreiche Familien, die Schwierigkeiten haben eine passende und günstige Unterkunft zu finden, wieder Urlaub machen können. Dass Großzügigkeit unser Christsein mehr und mehr prägt. Dass die ‚Haussegen‘-Idee sich mehr und mehr verbreitet und schließlich auf der ganzen Welt Urlaubsziele ermöglicht.

Ich wurde in den letzten Wochen ein paar Mal gefragt, warum Haussegen nur für christliche Familien ist. Grundsätzlich kann natürlich auch eine Familie bei Haussegen mitmachen, die den christlichen Glauben nicht kennt. Aber der Kern, der Anfang soll bei uns Christen liegen. ‚An eurer Liebe werden sie euch erkennen…‘  (Johannes 13, 35) Daran, dass wir Dinge machen, die eigentlich total verrückt sind. Nachbarn von uns konnten es nicht fassen, dass wir im Sommer ein Ehepaar bei uns wohnen ließen, als wir nicht da waren. Wir teilen, wir haben Vertrauen, wir öffnen unser Zuhause für andere. Das ist Haussegen und der Grundgedanke ist absolut biblisch. Deswegen spreche ich auch in erster Linie christliche Familien an.

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Ich freue mich, dass ich euch heute ‚Haussegen‘ offiziell vorstellen kann! Schaut doch bei www.Haussegen.org vorbei und vielleicht findet ihr euer nächstes Urlaubsdomizil!

Wenn du gerne dein Zuhause auch bei Haussegen listen möchtest, dann melde dich bei inkahammond@gmail.com, Betreff: ‚Haussegen‘. Danke! 

 

Ein Brief

Ich kenne dich nicht.

Aber ich weiß, dass es dich gibt.

Vielleicht stehst du vor mir an der Supermarktkasse. Vielleicht warten wir nebeneinander an der Fußgängerampel. Vielleicht sitzt du mir in der Straßenbahn gegenüber.

9 Crimes

Du lächelst tapfer, aber deine Welt liegt in Trümmern. Du siehst immer nur diesen Test vor dir, diese zwei Striche. Nichts ist mehr so wie es war.

Da ist keine Freude, nur Angst und Sorge. Schock. Alles ist aus den Fugen geraten und deine Welt steht Kopf.

Alleine stemmst du dich gegen den Wind und fühlst dich hilflos und klein. Gehst durch deinen Alltag ohne Gefühl und trotzdem brennt alles in dir lichterloh.

Tausend Fragen schwirren durch deinen Kopf, nichts macht mehr Sinn und du willst einfach nur weg, weg, weg.

In dir wächst zartes Leben und doch fühlt sich alles an nach sterben. Träume zerplatzen wie Seifenblasen. Eben war deine Zukunft noch hell und schön und vielversprechend, jetzt ziehen dunkle Wolken auf.

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Der Termin ist schon vereinbart, ein paar Tage noch. In deinem Herzen herrscht Krieg. Du willst es und du willst es nicht. Die ersten Muttergefühle lassen sich nicht verdrängen. Du willst schon aufpassen auf dieses klitzekleine Wesen in dir.
Aber hast du die Kraft? Wirst du alles haben was du brauchst? Wirst du dein Kind lieben können, wenn es doch gerade alles durcheinander bringt? Wäre nicht alles einfacher, zu diesem Termin zu gehen und alles auf Null zu schalten, deine Zukunft zurück zu gewinnen? Das zu tun, was dein Freund sagt? Das zu tun, wozu deine Eltern dich drängen? Das zu tun, was deine Freunde von dir erwarten?

Dein Herz sehnt sich nach Klarheit. Nach einem Zeichen. Nach Hoffnung.

Lass diese Zeilen dein Zeichen sein. Dein Meilenstein.

Lass dieses ‚Ja‘, das noch so klein und so zart und so verletzlich in dir schlummert, laut werden und dein Kampfschrei werden. Sag ‚Ja‘ zu dem Neuen, dem Abenteuer, dem absolut Verrückten, dem absolut nicht Geplanten. Ruf dein ‚Ja‘ in deine Welt, setz ein Zeichen, zeige Mut. Geh querfeldein, sei unkonventionell, erwarte Wunder. Erlebe wie dein Bauch wächst, starre stundenlang verliebt auf das Ultraschallbild. Und dann der Moment, wo du dein Kind das erste Mal in Armen hälst, dein ‚Ja‘ zum Urschrei wurde, du gar nicht fassen kannst, welch Liebe in dir wohnt.

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Wird alles einfach? Ist das ein Spaziergang? Nein, du wirst zum Gipfelstürmer, du erklimmst den höchsten Berg, du willst bestimmt oft aufgeben. Aber dort oben dann, am Ziel angekommen, wird dein Glück grenzenlos sein.

Sei ermutigt. Sei umarmt. Entdecke deine Kraft, deinen Willen, dein Durchsetzungsvermögen ganz neu. Werde zur Löwin die für das Leben kämpft. Dein Leben und das Leben deines Kindes.

Frei und wild und mutig.

 

 

 

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Ich kann die Uhr ticken hören

Ich kann die Uhr ticken hören.

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So leise ist es. Lange Jahre war vormittags immer mindestens ein Kind in meinem Arm. Oder an meinem Bein. Ich sehe kleine Hände voller Wasserfarben. Ich erinnere mich an die Seifenberge im Waschbecken, wenn ich mich mal schnell ums Aufräumen gekümmert habe. Der umgekippte Abfalleimer, die vollgekritzelte Wand. Es war immer etwas los. Es war bunt und anstrengend und … niemals leise.

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Jetzt sitze ich am Küchentisch und kann kaum glauben, dass diese Jahre vorbei sind. Wo ist die Zeit geblieben? Nun kommt es mir wie eine ferne Erinnerung vor, dass ich diesen Tag der Ruhe herbei gesehnt habe. Endlich nur ich. Endlich Ordnung. Endlich kein Kind, das mir beim Klo putzen helfen will.

Nun ist es soweit und ich vermisse das Kinderlachen. Das Türen knallen. Das ‚Mama, darf ich bitte, bitte, bitte vom Teig naschen?‘ Und das hunderttausendste:’Mama, spielst du mit mir?‘.

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Meine drei großen Mädchen sind in der Schule, der Jüngste im Kindergarten. Wenn ich den letzten Abschiedskuß gegeben habe, bin nur noch ich da. Das kommt mir so wenig vor. Viel zu leise. Viel zu aufgeräumt. Keine kleinen urplötzlichen Katastrophen mehr. Ich fühle mich ein wenig verloren in dieser neuen Welt. Muss mich erst noch zurecht finden. Ich frage mich, was ich zuerst putzen soll oder ob ich mich jetzt an aufwendigeres Mittagessen wagen kann. Oder ob ich einfach mal was nähen soll oder spazieren gehe?

Ganz zaghaft stehe ich an der Schwelle zu dieser neuen Zeit – vormittags ohne Kinder. Ich sehe schon das ein oder andere, das schön sein wird und das meiner Seele gut tun wird. Lange war für so vieles keine Zeit. Kein Platz. Aber jetzt – jetzt vermisse ich gerade die kleine Hand in meiner. Das zweite Frühstück mit Nutellabrot. Das spontane Kuscheln auf der Couch. Und wen soll ich jetzt beim Einkaufen bei Laune halten? Werde ich ganz abwesend den Einkaufswagen beruhigend hin und her schieben? Ein wenig neidisch auf die Mama sehen, die mit MaxiCosi unterwegs ist? Am liebsten das schreiende Baby da vorne an der Kasse auf den Arm nehmen?

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Wenn meine Kinder dann mittags wieder zu Hause sind, gebe ich ihnen eine extra lange Umarmung. Setze mich hin, höre mir all die Geschichten an. Erstaunlich, was an einem Vormittag so alles passieren kann! Ich schaue auf ihre Gesichter, präge sie mir genau ein. Ich lächle, weiß wieder einmal mehr, wie sehr ich gesegnet bin mit diesen vier wunderbaren Menschen. Ich staune auch, denn sie werden so schnell groß. Der Kleine lässt sich nicht mehr beim Schuhe anziehen helfen. Die Erstklässlerin holt ganz stolz ihre erste Hausaufgabe heraus. Meine Zweitgeborene scheint seit dem Abschiedskuß heute morgen zwei Zentimeter gewachsen zu sein und meine Große ist schon ein richtiger Teenager. Hab ich sie nicht erst mit dem Bobbycar zum Spielplatz begleitet?

Es ist wieder laut zu Hause, das Mittagessen wird ausgeteilt. Jeder spricht durcheinander, es ist lustig und nervig und schön. Ich lehne mich zurück, blicke mich um. Diese vier Menschen. Jetzt sitzen sie noch hier an diesem Tisch. Diese Zeit ist mir geschenkt. Welch Gnade. Welch Glück. Dankbarkeit erfüllt mich. Und Ehrfurcht.

Ich kann die Uhr ticken hören.

 

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