Hoffnung in Ruinen

Seit ein paar Wochen lese ich einen historischen Roman. Ich liebe historische Romane, besonders wenn sie viele hundert Seiten dick sind. Geballte Geschichte. Bei diesem Buch aber komme ich nicht recht voran, abends fallen mir vor Müdigkeit die Augen zu und so habe ich vor ein paar Tagen das erste Mal seit langem wieder weiter gelesen. Und Gott wusste, dass ich an diesem Abend genau diese Seite lesen würde.

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Denn anstatt einfach nur zu erfahren, wie es denn nun mit diesem Krieg und diesen Protagonisten weitergeht, sprach Gott zu meinem Herz.

Ich liebe es, wenn Gott kreative Wege findet, mein Herz zu erreichen um mir seine Liebe zu zeigen.

Hier kurz die Szene: ein König und eine Königin kommen nach einer gewonnenen Schlacht zu dem Palast, in dem die Königin aufwuchs. Am Anfang des Buches wird dieser Ort als wunderschön beschrieben. Ein Mandelbaum wächst neben einem Brunnen. Schlanke Säulen tragen prunkvolle Decken. Heller Marmor zeugt von Macht und Wohlstand. Als die beiden aber nach jener Schlacht dort ankommen, ist alles verwüstet. Aus Rache. Kein Stein steht mehr auf dem anderen, der Mandelbaum wurde gefällt. Wo einst gefeiert wurde, herrscht nun dunkles Schweigen. Die Königin versucht stark zu sein und lässt sich ihren Kummer nicht anmerken, aber der König spürt ihre Trauer. Er setzt sich zu ihr auf den Brunnenrand.

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Und dann tut dieser König etwas, was mich beim Lesen zutiefst berührt hat: Er breitet den Mantel über ihr aus. Sein Mantel ist so großzügig geschneidert, dass er ohne Mühe seine Gemahlin mit einhüllen kann. Die Königin fühlt sich darin geborgen und sicher und sie fragt etwas verzagt: ‚Und was machen wir nun?‘

Die Antwort des Königs: ‚Wir bauen deinen Palast wieder auf.‘

Ich legte das Buch zur Seite, holte mir meine Bibel und las Jesaja 54, 11-14:

‚Du Elende, von Stürmen Gebeutelte, du Ungetröstete! Ich werde deine Mauern auf Edelsteine stellen und dich auf einem Fundament aus Saphiren wieder aufbauen. Die Türme deiner Mauern baue ich aus funkelnden Rubinen, deine Tore aus leuchtend rot schimmernden Steinen und dein ganzes Stadtgebiet aus kostbaren Steinen. … Du wirst dich auf Gerechtigkeit gründen, Bedrückung und Schrecken werden fern von dir sein, so dass du nichts zu fürchten hast.‘ 

Diese Worte entstammen nicht aus irgendeinem Roman. Diese Worte sind nicht einfach nur ausgedacht, sie sind nicht romantisch verklärt. Nein, der König aller Könige spricht sie zu meinem und deinem Herzen.

Nun stell dir vor, liebe Mama: Jesus, der König, kommt zu dir. Zu den Trümmern deines Lebens, zu den Ruinen deiner Träume. Dein Mandelbaum, unter dem du als Kind gespielt hast, ist gefällt und verwelkt und du sitzt auf einem Brunnenrand; der Brunnen birgt schon längst kein Wasser mehr in sich und du versuchst tapfer zu sein. Du willst deine Tränen verstecken, weil es ja immer irgendwie weitergehen muss. Du lächelst trotzig, aber in dir ist alles wie tot. Der Feind hat gewütet, vernichtet, gestohlen, zerstört. Wo du einst voller Hoffnung in die Zukunft geblickt hast, bist du nun voller Misstrauen und Verzweiflung.

Aber der König kommt zu dir. Er setzt sich neben dich. Sein Mantel reicht für euch beide. Du bist bedeckt mit seiner Königswürde. Und die Antwort auf all deine Fragen, all deine Zweifel ist schlicht und einfach: ‚Wir bauen deinen Palast wieder auf.‘

Unser Gott ist ein Gott, der alles wiederherstellt.

‚Heute verheiße ich euch, dass ich euch doppelten Ersatz geben werde.‘ Sacharja 9,12

‚Ich will euch zurück geben, was die Heuschrecken, die Grashüpfer, die Raupen und Käfer gefressen haben.‘ Joel 2,25

‚Ein Dieb will rauben, morden und zerstören. Ich bin aber gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken.‘ Johannnes 10, 10

Ich legte meinen Roman und die Bibel zur Seite und ließ die Wahrheit in mein Herz sinken: mein Gott stellt mich wieder her. Der König kommt und baut meinen Palast wieder auf.  Meine Seele muss nicht in Trümmern hausen.

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Ich glaube, dass diese Botschaft auch für viele von euch bestimmt ist. Ich will dir heute zusprechen, dass der Mantel des Königs dich bedeckt. Jesus sieht dich und weiß um deinen Schmerz, deine Trauer, dein Gefühl, dass du den Alltag nicht mehr bewältigen kannst. Er kennt deine verschütteten Träume, deine verlorene Kindheit. Und er kann und er will dich wiederherstellen.

Du bist nicht alleine auf diesem Brunnenrand. In deinem Schmerz bist du noch immer eine Königstochter und der König eilt dir zu Hilfe.

 

photo credit: akigabo <a href=“http://www.flickr.com/photos/138047837@N02/32765198750″>The Task</a> via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/“>(license)</a&gt;

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photo credit: westpark <a href=“http://www.flickr.com/photos/7537092@N07/3497778068″>%5B12:17%5D strassenrand</a> via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/“>(license)</a&gt;

Hand in Hand

Heute morgen habe ich mich zum Joggen aufgemacht und bin mit dem Fahrrad zu einem nahe gelegenen Erholungsgebiet gefahren. Auf dem Weg dorthin ist mir ein altes Ehepaar aufgefallen. Sie schon etwas gebeugt, er schlank und noch mit festem Schritt, beide grauhaarig und lebensweise. Sie gingen nebeneinander her und was mir sofort auffiel: sie hielten sich an den Händen. Und das war kein sich gegenseitig stützen oder eine langweilige Gewohnheit –  das war ein liebevolles Festhalten, die Finger ineinander verschränkt.

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Mich hat dieses alte Paar tief berührt. Man sieht kaum noch alte Ehepaare, die Zärtlichkeiten austauschen, die sich an den Händen halten, die gemeinsam unterwegs sind. Entweder geht der Mann mürrisch voraus und die Frau geht, mit den Gedanken woanders, hinterher – oder umgekehrt. Offensichtlich verbittert von zu viel Lebensschmerz. Auseinander gelebt vor Jahren schon. Irgendwie noch zusammen, aber im Herzen getrennt. Selten sehe ich ein glückliches altes Paar und wenn, dann ist das wie ein Lichtblick. Ein Hoffnungsschimmer. Ein Mutmacher. Es gibt sie noch, die Ehen, die halten. Und die nicht nur irgendwie zusammengekittet bleiben, sondern die erfüllt sind von Liebe zueinander. Von Respekt und Wohlwollen für den anderen.

Als mein Mann und ich unsere Liebesbeziehung begannen, da waren unsere Hände wie Magnete: immer fand die eine Hand die andere. Und die Berührung war elektrisierend! Es war undenkbar nebeneinander her zu gehen ohne Händchen zu halten.

Heute ist das gar nicht mehr so selbstverständlich. Oft sind die Hände füreinander auch gar nicht frei, weil je ein Kind an je einer Hand ist. Vier Kinder, vier Hände. Wenn es uns doch einmal vergönnt ist, fühlt sich unsere Berührung sanft und sicher an. Wir gehören zusammen, nach all den Jahren. Das an die Hand nehmen ist wie eine sichtbare Bestätigung dessen, was wir im Herzen fühlen. Ich bin sehr dankbar, so einen liebevollen Ehemann zu haben. Das ist unverdienter Segen. Ein Geschenk.

Und doch war es in den 14 Ehejahren, die wir nun schon gemeinsam erleben durften, auch immer wieder schwer die Berührung der Hände zu zu lassen. Da wurden unbedachte Worte gesagt, die Hände nicht versöhnend ausgestreckt, sondern abwehrend hochgehalten. Dank Jesus haben wir uns immer wieder gefunden. Und unsere Hände haben sich wieder aneinander festgehalten.

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Als ich mit meiner Joggingrunde heute morgen fast am Ende war, bin ich dem alten Paar ein zweites Mal begegnet. Ich habe angehalten und ihnen gesagt, dass es mich so berührt, dass sie sich an den Händen halten – das sehe man leider nicht oft. Die Frau reagierte ganz erstaunt: ‚Aber, so laufen wir doch immer! Jeden Tag!‘ Und sie fuhr fort: ‚Jeden Tag kommen wir hierher zum spazieren. Das macht uns so Freude.‘ Dann lehnte sie sich gegen ihren Mann, der sie die ganze Zeit mit einer unglaublichen Liebe und Zuneigung ansah: ‚Wir haben uns lieb.‘, sagte sie. Ich wünschte ihnen alles Gute und joggte die letzten Meter bis zu meinem Fahrrad. Was für eine schöne Begegnung.

Vielleicht ist heute ein guter Tag zum Händchen halten! Nimm doch deine Frau oder deinen Mann jetzt gleich an die Hand. Ganz zärtlich, ganz unverhofft. So wie damals. Ganz am Anfang.

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photo credit: Momentchensammler <a href=“http://www.flickr.com/photos/133938910@N04/22351096185″>Happy End</a> via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/“>(license)</a&gt;
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Die zerbrochene Vase

Ganz am Anfang unserer Ehe habe ich eine Vase gekauft. Kurz nach dem Kauf fiel mir auf, dass sie einen Sprung hatte. Von außen kaum sichtbar. Ein bisschen verärgert darüber, versuchte ich die Vase bei einem Flohmarkt wieder zu verkaufen, aber sobald ich die potentiellen Käufer auf den Sprung aufmerksam machte, haben sie das Interesse verloren. Interessanterweise hielt die Vase trotz ihrem Mangel das Wasser. Also entschied ich, sie nicht wegzuwerfen.

Die Vase habe ich heute noch. 14 Jahre später ist sie mittlerweile meine Lieblingsvase.

Und durch die Vase habe ich zwei wichtige Lebenslektionen gelernt:

Ich muss nicht perfekt sein, um meine Berufung erfüllen zu können und ich darf Mut zum Mangel haben. 

Ich muss nicht alles beieinander haben, ich darf schwach sein, ich darf Fehler machen, ich darf Grenzen haben, ich darf ’nein‘ sagen, ich darf Verletzungen, Narben haben, ich darf gezeichnet sein vom Leben – und trotzdem sagt Jesus ‚ja‘ zu mir und führt mich Schritt für Schritt in die Berufung hinein, die auf meinem Leben liegt.

Wenn du darauf wartest, perfekt zu sein, alles richtig zu machen – dann zieht das Leben an dir vorbei und du verpasst all die Möglichkeiten, wo Jesus in deiner Schwachheit stark sein kann. Wo sein Licht durch deine Zerbrochenheit scheinen kann. Wo deine Geschichte jemanden anderem Mut machen kann.

Sei wie diese Vase und lass dich von deinen Grenzen, deinen Unzulänglichkeiten nicht aufhalten deine Bestimmung zu erfüllen.

Wie oft schon stand ich mitten im Alltag und wusste nicht mehr ein noch aus. Kleine Kinderhände klammerten sich an mir fest, auf dem Herd kochte die Suppe über, der Wäscheberg wuchs und wuchs. Wie oft fühlte ich mich dem Mama-sein nicht gewachsen, wollte einfach nur noch weg. Wie oft dachte ich insgeheim, mein Mann und ich haben uns mit vier Kindern heillos überfordert. Aber immer, immer wieder, hielt der Sprung. Immer wieder spürte ich, wie der Heilige Geist mir neuen Rückenwind gab, neue Bestätigung. Da wo ich stehe, da stehe ich richtig. Als Mama, als Freundin, als Wegbegleiterin…

Der Feind wird immer wieder versuchen, dir einzureden, dass du es nicht kannst. Dass du zu klein, zu unwichtig bist. Dass dieser „Sprung“ in dir den Spannungen des Lebens nicht stand halten wird. Dass du den Herausforderungen nicht gewachsen bist.

Jedesmal wenn ich Wasser in diese Vase fülle und Blumen hineinstelle, bin ich daran erinnert, dass mein großer Gott sich nicht durch meine Zerbrochenheit davon abhälten lässt, in meinem Leben zu wirken und durch mich stark zu sein. Alles, was ich tun muss, mich von ihm füllen zu lassen. Dann kann Neues durch mich blühen.

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photo credit: hjl <a href=“http://www.flickr.com/photos/92605333@N00/8754710201″>How will you fill your vase?</a> via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/“>(license)</a&gt;

 

Dranbleiben

 

Vorgestern wollten wir ganz spontan einen Familienausflug machen. Mit dem Fahrrad ins Grüne. Picknick. Steine ins Wasser werfen. Mein Mann und ich waren von der Idee begeistert – zwei unserer Kinder nicht so sehr. Um es vorsichtig auszudrücken: sie waren mit unserem Vorschlag überhaupt nicht einverstanden. Weil sie anscheinend in der Annahme waren, dass wir schwer von Begriff sind, haben sie es uns eine geschlagene Stunde versucht nahe zu bringen, dass dieser Vorschlag grottenschlecht, unterirdisch, zum davonlaufen war. Mit Türen knallen, Tränen, Schreien, der Verweigerung den Schlafanzug ausziehen und ordentliche Klamotten anzuziehen, Beschimpfungen. Meinem Mann und mir drohte der Geduldsfaden zu reißen. Sind wir wirklich so schlechte Eltern? Ein Ausflug als Familie – wirklich, so schlimm?? Als wir dann endlich alle auf den Fahrrädern saßen (die zwei Verweigerer mit mürrischen Mienen, aber immerhin angezogen und anwesend), dachte ich schon bei mir: warum tue ich mir das eigentlich an? Warum investiere ich immer wieder in diesen kleinen chaotischen Haufen, der mir soviel Kraft und Energie kostet? Warum koche ich immer wieder gesundes Essen, wenn jedesmal mindestens einer meiner Kinder aus Protest in den Hungerstreik tritt? Warum räume ich auf und putze und wasche Wäsche, wenn das Danke so rar gesät ist, wie die Salatsamen, die nun schon zwei Jahre bei mir im Küchenschrank liegen…weil ich einfach nicht dazu komme, sie einzupflanzen?

Unser Familienausflug wurde ein voller Erfolg. Wir fanden eine abgelegene Kiesbank am Ufer des Lechs, sogar ein kleiner Sandstrand war dort verborgen. Es war himmlisch harmonisch, nachdem unsere zwei Drückeberger doch Spaß am Steine werfen fanden und kleine Fische entdeckten. Das Picknick war lecker, wir sind noch zur Eisdiele gefahren und ein Bücherflohmarkt bescherte jedem Kind sogar noch ein Buch. Gott sei Dank haben mein Mann und ich durchgehalten, sind nicht eingeknickt und haben diesen Ausflug stattfinden lassen.

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Aber um zu meinen Fragen zurückzukommen…warum tut man sich das immer und immer wieder an? Diese Machtkämpfe…Warum gibt man nicht auf, nachdem das Kind zum hundertsten Mal in die Hose gemacht hat, warum steht man jeden Morgen auf und richtet das Frühstück und bleibt einfach in dieser Familie? Wenn ein Arbeitsplatz irgendwann zu viel Kraft kostet, man von Arbeitskollegen mies behandelt wird – dann sucht man sich eben eine neue Stelle. Das wollen wir Mamas nicht machen. Warum?

Wir sehen das große Bild. So wie mein Mann und ich einfach wussten, dass unsere Ausflugsidee gut ist, wissen wir, dass die Samen, die wir täglich in die Herzen unserer Kinder pflanzen, aufgehen werden. Das, was wir an Kraft, an Energie, an Vision in unsere Kinder investieren, wird sich auszahlen. Das ist eine biblische Gesetzmäßigkeit. ‚Lehre dein Kind, den richtigen Weg zu wählen und wenn es älter ist, wird es auf diesem Weg bleiben.‘ (Sprüche 22,6) Interessanterweise heißt es hier, wenn das Kind älter ist. Der Erfolg stellt sich also nicht sofort ein. Wir brauchen als Eltern Geduld, Weisheit, Voraussicht. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, auf welchem Weg unsere Kinder gehen sollen. Wir müssen das große Bild sehen.

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Unser Familienausflug ist nur ein kleines Beispiel. Wir als Eltern wussten, was uns als Familie gut tun wird, was wir gerade brauchen. Gemeinschaft. Auszeit. Unsere Kinder konnten das nicht erkennen, für sie war es erstmal unangenehm. So ist das doch auch mit Regeln, mit Prinzipien, die wir unseren Kindern nahe bringen wollen. Das ist harte Arbeit! Es braucht Ausdauer und feste Überzeugung, dass das was wir uns als Eltern vorgenommen haben, richtig und wichtig ist.

Und wir müssen uns bewusst sein, dass diese Kinder uns anbefohlen sind. Sie sind eine Gabe, ein Geschenk. Kein Eigentum, das wir nach Gutdünken verwalten sollen. Sie sind eine Belohnung, eine Zierde! Niemals Last, Karrierestopp oder ein Unfall. Du als Mutter bist von Gott auserwählt genau diese Kinder groß zu ziehen und sie die Wege des Herrn zu lehren. Keine andere Frau könnte das besser als du! Niemand kann dich als Mutter ersetzen. Du bist für deine Kinder unersetzlich. Und deswegen stehe ich jeden Morgen wieder auf. Deswegen überlege ich mir welche Erziehungsmethoden für meine Kinder in Frage kommen – auch wenn ich die Früchte oft noch nicht erkennen kann. Deswegen motiviere ich mich immer wieder neu, die Mutter zu sein, die meine Kinder brauchen.

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Auf lange Sicht wird es sich lohnen. Auch wenn du jetzt gerade entmutigt bist und dir alles über den Kopf wächst – Jesus ist mit dir in deinem Alltag. Er lässt dich auf Adlerflügen aufsteigen, wenn du all deine Hoffnung in ihn setzt. Er segnet deine Bemühungen deine Kinder zu erziehen und lässt dich die Früchte eines Tages genießen.

Bleib dran, liebe Mama.

P.S. Die Bilder, die ich für diesen Blogpost herausgesucht habe, sind schon mehrere Jahre alt…verrückt, wie schnell die Zeit vergeht! Wie gerne würde ich die Uhr zurückdrehen und vor allem die ersten Jahre mit meinen Kindern mehr genießen. Deswegen noch ein Nachgedanke: bleib nicht nur dran. Halte nicht nur durch. Lass nicht zu, dass die Anstrengungen dieser Phase mit kleinen Kindern, dir die Freude an deinen Kindern rauben. Genieße so viel und so intensiv wie du nur kannst…

Wenn alles schief läuft

Es sollte eine ruhige, erholsame, friedliche Woche werden. Viel Zeit für die Kinder. Zeit für meinen Mann. Zeit für mich. Ein Buch lesen, vielleicht sogar zwei. Innerlich wieder ruhig werden nach wochenlangem Stress.

Nichts, wie erhofft

So hatte ich mir das vorgestellt, aber es kam anders. Am ersten Tag unserer Urlaubswoche stürzte unser Sohn auf einem Spielplatz. Mitten in einer Stadt, in der wir uns nicht auskannten, ohne Auto. Also trug mein Mann unseren Sohn zur U-Bahn Station und wir gingen zum nächstbesten Krankenhaus. Nein, dort können sie unseren Sohn nicht behandeln. Wir sollten wieder zurück in die Innenstadt, ins Kinderkrankenhaus. Also wieder hinaus in die drückende Hitze, mein Mann unseren Sohn auf den Armen. Endlich kamen wir völlig verschwitzt bei der Notaufnahme an und wussten nach fast 4 Stunden Wartezeit: Ellenbogenbruch.

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Die Nacht darauf war nicht gut. Unser Sohn hatte Schmerzen, kam mit dem Gips nicht zurecht. Völlig übermüdet wachten wir am nächsten Morgen auf. Was für ein Start in einen herbeigesehnten Urlaub! Wir versuchten optimistisch zu bleiben und das Beste zu erwarten. In der darauffolgenden Nacht übergab sich unsere Tochter. Am dritten Urlaubstag wusch ich den ganzen Tag Bettwäsche. Unsere zweite Tochter lag im Bett mit Magenkrämpfen. In mir regte sich Unmut. Anklage gegenüber Gott. Das soll unsere wohlverdiente Auszeit sein? Kannst du das nicht besser, Gott?

Unsere Urlaubswoche ging so weiter. Nachts viel Weinen, Trotzanfälle unseres Sohnes, der sich mit dem Gipsarm allzu sehr eingeschränkt fühlt. Schlecht gelaunte Kinder. Genervte, müde Eltern. Alles ging den Bach runter.

Karfreitag – Tag der Hoffnung

Und dann war Karfreitag. In mir war keine Andacht. Keine Ruhe. Wie sehr wollte ich mit den Kindern dieses Ostern ganz bewusst erleben. In die Tiefe gehen. Zeit zum Lieder singen, Bibelstellen lesen. Beten. Nichts da.

Weil sich unsere ganzen Pläne verschoben haben, sind wir an Karfreitag in den Zoo gegangen – die Idee hatten mit uns gefühlt 10 000 andere Menschen. Es war voll, laut, die Tiergehege kaum zugänglich. Ich erinnerte mich an ähnliche Situationen vor ungefähr einem halben Jahr. Da konnte ich Menschenmassen nicht aushalten. Da brach in mir die schiere Panik aus, wenn es  um mich herum laut war und ich nicht einfach weggehen konnte. Da hätte ich so einen Tag im Zoo nie und nimmer geschafft. Aber dieses Mal funktionierte es. Ich blieb innerlich ruhig. Ich konnte mich auf die Kinder konzentrieren. Ein kleines, großes Wunder. Auferstehungskraft in mir. Ich konnte erkennen: Gott hat an und in mir gearbeitet in den letzten Wochen und Monaten. Ich bleibe nicht am selben Fleck stehen, es tut sich etwas, ich gehe vorwärts. Halleluja! Und so erfüllte sich mein Herz an diesem kühlen Karfreitag im überfüllten Zoo mit Lobpreis. Herr, du bist gut zu mir. Du stehst zu deinen Verheißungen. Danke, dass du für mich am Kreuz gestorben bist, dass ich Leben in Fülle haben kann. Danke, dass du die Angst besiegt hast. 

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Trotz allem

Ich schaue auf diese verkorkste Urlaubswoche zurück. Habe ich die Ruhe gefunden, nach der ich mich so gesehnt habe? Nein. Habe ich neue Kräfte für den Alltag getankt? Nicht wirklich. Ist mir Jesus begegnet? Ja.

In allem Schwierigen, in allem Frustrierenden, in allem so Sinnlosen. Armbruch im Urlaub. Magen-Darm. Zahllose Trotzanfälle. Jesus war da.

Meine Tochter drückte mir gestern eine fast verwelkte Blume in die Hand. An einem Stiel mindestens 20 klitzekleine, tiefblaue Blüten. Auf den winzigen Blütenblättern noch verschiedene Schattierungen. Atemberaubend schön. Meine Tochter fand die Blume auf den Boden liegen, im Staub.

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Und so ist das mit meinem Leben auch oft. Ich liege im Staub, fühle mich übergangen, nicht gesehen, bräuchte so dringend eine Vase mit frischem Wasser. Der Herr sieht mich und hebt mich auf. Er gibt mir zu trinken. Er richtet meinen Blick auf die Wahrheit. Mein Leben ist gerade eine kleine, mittlere oder große Katastrophe? Jesus hat am Kreuz gesiegt und nichts, was ich gerade durchmache, hat er nicht schon vor mir getragen.

Meine Lasten werden tragbar, weil sie schon auf seinen Schultern lagen.

Morgen werde ich mit gemischten Gefühlen die Koffer packen. Der Alltag wartet schon mit neuen Herausforderungen, denen ich mich nicht gewachsen fühle. Aber in mir klingt das Lied aus dem Ostergottesdienst von heute morgen nach: ‚Vollbracht, vollbracht! Es ist vollbracht. Der Weg ist jetzt frei in deine Gegenwart.‘

Das ist was zählt. Seine Gegenwart in meinem Jetzt. In meiner Traurigkeit, meiner Müdigkeit. Sein Sieg in meinem Unvermögen, meiner Wut. Sein Ja in meinen Unmöglichkeiten, in meiner Begrenztheit. Sein Leben in meinen Enttäuschungen, meinem Versagen. Jesus ist alles, was zählt. Hätte ich ihn nicht, wäre alles ein Scherbenhaufen. Er macht alles neu und kann selbst so eine schief gegangene Woche in Segen verwandeln.

Daran halte ich mich fest, wenn es morgen wieder nach Hause geht.

Osterfreude inmitten von Verzagtheit. Auferstehungskraft in meiner Schwachheit.

Am Ende der Karwochen unseres Lebens steht immer das leere Grab, erklingt immer Osterjubel.

Alle Bilder Copyright Inka Hammond

Stille zwischendurch

Seit Weihnachten war fast ununterbrochen jemand bei uns zu Hause krank. Ich habe unzählige heiße Zitronen zubereitet, Wärmflaschen aufgefüllt, Betten nachts um 3 Uhr frisch bezogen, innig geliebte Kuscheltiere so schnell wie möglich gewaschen, dass sie wieder zum Kuscheln einsatzbereit waren, ich habe Hustensaft gekocht und Nasen geputzt.

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Und vorgestern ist dann ein kleines Wunder passiert: ALLE Kinder waren in der Schule und im Kindergarten und ich hatte einen ganzen Vormittag ganz alleine – nur für mich. Ich hätte die Zeit super nutzen können, um endlich die ganzen Dreckwäscheberge zu bewältigen, ich hätte die Küchenschränke endlich mal abwischen können, ich hätte Staub wischen sollen. Dringend. Anstatt dessen packte ich meine Bibel, mein Tagebuch und radelte zum nächsten Cafe. Bestellte mir einen Obstsalat und einen Tee und saß einfach nur da. Ich las in meinem Bibelleseplan die Stellen von Anfang März, denn weiter war ich noch nicht gekommen. Ich schrieb Gedanken auf, die schon längst aufgeschrieben werden wollten und das tat so gut. Ich genoss das Obst Stück für Stück, ohne Hast und es schmeckte köstlich. Meine Seele wurde still und ich glaube, ich war in diesem Moment genau da, wo der Herr mich haben wollte.

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Denn ich glaube, dass unser Gott mitleidet, wenn wir uns abhetzen und uns mit solchen Augenringen durch den Alltag quälen. Ich glaube, Gott möchte uns Ruhezeiten schenken. Besonders uns Mamas, die wir so oft unter Schlafmangel leiden und uns häufig ausgebrannt fühlen. Sein Wort sagt: ‚Bei Gott allein findet meine Seele Ruhe…‘ Psalm 62,1. Gott kennt mein Bedürfnis nach Ruhe, nach Stille, nach Alleinsein. Er kennt es besser, als ich selbst. Und wenn ich genau darauf achte, dann schenkt er mir täglich Ruheinseln. Nur ich beachte sie nicht und werkel weiter und wundere mich dann, warum die Kräfte immer weniger werden.

Momente zwischendurch

Wenn ich etwas gelernt habe in den vergangenen 11 Jahren, in denen ich nun schon Mama sein darf, dann dieses: ich muss für mich selber sorgen. Ich muss auf mich achten, mir Gutes gönnen, sonst brenne ich über kurz oder lang aus. Im Mamadasein gibt es keinen Feierabend, kein Wochenende, keinen Urlaub von meine Pflichten und Aufgaben. Auch in den Ferien will gekocht und geputzt und gewaschen werden. Es ist ein 24 Stundenjob, 7 Tage die Woche. Ich MUSS mir Zeiten der Ruhe einplanen, ganz bewusst und vor allem auch ganz spontan. Ein fester Zeitpunkt ist vor allem mit kleinen Kindern eher unrealistisch und führt zu Frust, wenn es immer wieder nicht klappt, weil etwas dazwischen kommt. Ich habe für mich die Momente zwischendurch entdeckt: das Feiern, dass endlich alle wieder gesund sind, die Tasse Kaffee, als die Kinder ganz entspannt spielen, die Augen kurz schließen und die Sonne genießen, weil die Sandburg von den Kinderhänden alleine gebaut wird. Erstens komme ich so immer wieder bei mir an und zweitens erlebe und lebe ich viel intensiver. Ich höre das Vogelgezwitscher, ich sehe das Schattenspiel an der Wand, ich schmecke den süßen Milchschaum. Das tut meiner Seele gut, ich spüre mich, ich merke, ich lebe!

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Gott schenkt Ruhe

Gott will, dass ich Ruhe finde in meinem hektischen Alltag, aber vor allem will er, dass ich Ruhe bei ihm finde. Denn nur in seiner Gegenwart gibt es die perfekte Ruhe, den vollendeten Frieden. Aber wie kann ich das als Mama umsetzen? Wie kann ich seine Gegenwart suchen, wenn es um mich herum laut und chaotisch zugeht? Auch da habe ich für mich das Zwischendurch entdeckt. Das ist nicht immer ausreichend, aber in stressigen Lebensphasen ein wahrer Schatz und für mein Herz lebensnotwendig. Gott freut sich über jeden Gedanken, den ich ihm schenke – ob das nun während des Wickelns ist oder ob ich tatsächlich mit meiner Bibel und meinem Tagebuch eine halbe Stunde ihm meine volle Aufmerksamkeit widmen kann. Lange Zeit habe ich mich abgemüht meine Stille Zeit in meinen Mama-Alltag zu integrieren und es wurde mehr und mehr zum aussichtslosen Kampf und ich blieb frustriert zurück. Sei nicht so streng mit dir, liebe Mama. Der Herr sieht deinen Einsatz und deine Müdigkeit und deinen so schwer planbaren Tag und er führt dich behutsam (Jesaja 40,9). Anstatt punktuell eine Zeit mit Jesus einzuplanen, plane lieber, den ganzen Tag mit ihm zu verbringen. Schenke ihm deinen ersten Gedanken, wenn du noch im Bett liegst. Singe ein Lobpreislied in der Dusche. Schreibe dir Bibelverse auf und klebe sie an Kühlschrank, Badezimmerspiegel und Geldbeutel. Bete am Essenstisch keinen kindlichen Reim, sondern formuliere dein Herzensgebet. Bete laut mittendrin, auch dass deine Kinder es hören können! So lernen sie von Anfang an: Gott ist da und immer ansprechbar. Habe keine Scheu in Sprachen zu beten, strecke dich danach aus, wenn du diese Gabe noch nicht empfangen hast. Das ist eine wunderbare Art zu beten, wenn die Worte fehlen und der Verstand noch zu müde ist. Und so wird Jesus mehr und mehr Teil deines Alltages und ich habe erlebt, dass die Zeiten mit Bibel und Tagebuch wieder mehr planbar werden, sobald die Kinder größer sind. Nimm die Phase, in der du jetzt bist an und umarme die Umstände, die dein Leben gerade bestimmen. Es wird auch wieder anders werden!

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Ich wünsche dir und mir, dass wir die täglichen Ruhezeiten entdecken, die Gott uns schenkt. Dass wir lernen inne zu halten, das Leben intensiv wahr zu nehmen, mal anhalten, um die Blume am Wegesrand zu beobachten. Wir sind nicht dazu geschaffen, immer durch zu powern, immer alles zu geben. Wir dürfen, wir sollen zur Ruhe kommen – immer wieder, zwischendurch.

 

 

 

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Freude im Kleinen

Meine 6jährige Tochter sagte neulich zu mir: ‚Mama, ich LIEBE das Leben!‘ Ich, ganz erstaunt über ihren spontanen Gefühlsausbruch: ‚Ja, warum denn?‘ ‚Na, weil man spielen kann und so!‘

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Spielen und so. Nicht unbedingt die Gründe, die mich zu einem tiefem Seufzen absoluter Glückseligkeit hinreißen. Aber so leben meine Kinder. Vor allem die Kleineren. Interessant, wie dieses einfache Zufriedenstellen mit den Jahren immer komplizierter wird.

Das simple Jubeln über das Leben geht mir nach. Immer wieder denke ich an das selige Lächeln meiner Tochter, die pure Geborgenheit, die aus jeder Pore ihres kleinen Seins strömte. Sie vertraut dem Leben, hat keine Angst vor dem Morgen, gibt sich einfach dem Moment hin.

Das will ich auch.

from Inkas phone 104

Und doch ist es so schwer, wenn man im Leben schon große Enttäuschungen erlebt hat, man hinter jeder Wegbiegung etwas Bedrohliches erahnt, wenn man dem Leben einfach nicht mehr trauen kann. Als Kind, da ist man sich sicher, dass alles gut werden wird. Aber wenn man dem ungeschminkten Leben mal ins Gesicht geschaut hat, ändert sich das.

Wir Jesus liebende Menschen haben aber die Möglichkeit Kind zu bleiben. Dem Leben zu trauen, weil unser Erlöser die Welt überwunden hat. Hinter jeder Wegbiegung nicht etwas Schlimmes zu erwarten, sondern Segen, weil unser Vater im Himmel der Geber aller guten Gaben ist. So wie meine Tochter, darf auch ich als erwachsene Frau das Leben unvoreingenommen umarmen, weil Jesus mir Leben in Fülle versprochen hat.

Hot Air Balloons

Und wenn es schief läuft? Wenn kleine und große Katastrophen passieren? Wenn meine Kinder verletzt sind, krank sind, enttäuscht, entmutigt, sorgenvoll, ängstlich – dann nehme ich sie auf meinen Schoß und tröste sie. Rede ihnen gut zu. Male ihnen die Zukunft mit bunten, leuchtenden Farben. Und das macht mein himmlischer Vater auch mit mir. Ich habe gelernt, wenn das Leben schwarz ist, dann lese ich die Psalmen, dann singe und spreche ich biblische Verheißungen über meinem Leben aus, ich lege meine Hand auf Kopf und Herz und sage: ‚Du bist geliebt! Du bist gewollt! Der Herr hat einen Plan mit dir. Er wird dich wieder aufrichten. Du wirst gehen und nicht müde werden. Du wirst aufsteigen wie auf Adlers Flügeln.‘ Die Wahrheit vertreibt alle Finsternis.

Und wenn man so lebt, als geliebtes, gehaltenes Kind Gottes, dann kann man getrost glückselig ausrufen: ‚Ich LIEBE das Leben!‘ Die Umstände werden unwichtig. Das Leben wird zum größten Geschenk.

 

(copyright aller fotos: inka hammond)

Mama und Tochter

Ich sitze gerade auf dem Badezimmerboden und balanciere den Laptop auf meinen Beinen. Das Badezimmer ist momentan der einzige Ort in unserem Zuhause, wo Ruhe herrscht und ich die Türe hinter mir schließen kann. Außerdem das einzige Zimmer mit Fußbodenheizung und das genieße ich Frostbeule gerade sehr.

 

Ich denke schon lange über meine Identität als Tochter nach. Tochter Gottes. Lange Zeit war das für mich völlig abstrakt, unerreichbar. Ich hatte und habe Schwierigkeiten Gott als Vater zu sehen. Ich empfinde es so, als wäre ich in meiner Identitätssuche in den letzten Wochen ein wenig voran gekommen und in meinem Herzen ist so eine Art Bestätigung, ein ‚ja‘, das aus der tiefsten Tiefe meiner Seele kommt.

 Meine Identität

Identität – das ist so ein großes, unüberschaubares Wort…wer bin ich eigentlich? Was kommt zutage, wenn ich anfange meine Masken abzulegen, ehrlich nachzufragen, genau hinzusehen? Wenn ich beginne, die Mauern, die ich um mein Herz gebaut habe, Stein für Stein abzutragen?
Wir alle tragen Verletzungen in uns, die uns davon abhalten die Frau zu werden, die sich Gott erdacht hat, als er uns schuf. Um unsere weichen, sensiblen Herzen tragen wir schwere Eisenketten – jedes Glied eine Verletzung, ein unbedachtes Wort, Enttäuschung, zerbrochene Träume…

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Irgendwie haben wir uns durch die Kindheit und die Pubertät gekämpft, immer ein Kettenglied mehr, und heute wissen wir gar nicht mehr, für was unser Herz eigentlich schlägt unter all dem harten, kalten Eisen. Es gilt Kettenglied für Kettenglied abzutragen, anzusehen, loszulassen. Bis mehr und mehr unser Herz zutage kommt, blutend und pulsierend und uns ahnen lässt, was Gott ganz am Anfang in uns hineingelegt hat. Träume werden wieder groß, Visionen steigen wieder auf, das Leben färbt sich wieder bunt.

Durch die Wüste

Wenn Gott uns Frauen in unsere Identität als Tochter führt, müssen wir zuerst diese Eisenketten ansehen und das tut unendlich weh und hält viele davon ab, diesen Weg einzuschlagen. Es scheint einfacher, die Ketten zu behalten und dafür nur klein zu träumen oder vielleicht ganz damit aufzuhören. Es scheint leichter, sich ein wenig Härte zu behalten, denn man weiß nie, wann und wo das Leben zuschlägt.

Ich bin so dankbar, dass Gott mit mir meine Vergangenheit ansieht, damit ich meine Zukunft gestalten kann. Dass er dieses kleine, verletzte, hilflose Mädchen in seine Arme nimmt und zur mutigen, selbstbewussten, starken Frau heranreifen lässt. Das ist ein langer, beschwerlicher, oft schmerzhafter Weg, aber der Weg ins verheißene Land führt durch die Wüste. Die Wüste aber wird zum Ort der Begegnung mit meinem Erlöser, dort spricht er freundlich zu mir. Dort führt er mich in meine Identität, in meine Berufung.

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Mama und Tochter

Ich bin Mama von vier Kindern und seit meine erste Tochter vor fast 11 Jahren geboren wurde, wurde ich zur Erwachsenen. Ich übernahm Verantwortung. Ich traf Entscheidungen. Ich verabreichte Medizin. Ich organisierte den Haushalt. Ich tat all die Dinge, die erwachsene Mütter tun. Ich ging so in meiner Rolle als Mama auf, das ich vergaß, Tochter zu sein. Ich glaube, das ist ein Balanceakt für uns Mamas: unsere Berufung Tochter zu sein, inmitten von unseren kleinen Töchtern und Söhnen, die uns brauchen und auf uns angewiesen sind, nicht zu vergessen. Wir sind da, wir sind bereit, wir investieren, wir geben, wir wickeln und stillen, wir füttern, wir räumen auf. Wir sind die ultimativen Multitasker.
Aber wir sind auch auf jemanden angewiesen. Wir müssen auch zu jemanden aufschauen. Wir brauchen auch Zeit auf seinem Schoß, müssen unseren Kopf an seine Brust lehnen. Wir brauchen seinen Zuspruch, seine Ermutigung. Wir brauchen ihn, der Sinn und Identität in unser Mamaherz spricht – wir sind Töchter und brauchen unseren himmlischen Vater.

Lass die Mama, die alles im Griff haben will, die ihre to-do-Listen schreibt, einfach mal los. Lehne dich zurück, such dir einen Ort der Ruhe – und sei es das Badezimmer. Und dann begegne dem Blick, der dir sagt: ‚Du bist geliebt.‘

Du hast die Wäsche wieder nicht geschafft? Alles okay. Dein Temperament ist wieder mit dir durchgegangen? Ruh dich bei mir aus. Du denkst, du kannst deinen Kindern nicht gerecht werden? Lass mich dein Alles sein.

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Ich bin geliebt

 

Liebe Mama, dieser Blick Gottes auf mir ist meine Sehnsucht. Dieser Blick erinnert mich an meine Identität. Dieser Blick gibt mir Ruhe und Frieden mitten im Alltagsgewitter. Und je mehr ich mein Herz öffne, je mehr ich diese Eisenketten abtrage, je mehr ich den liebenden Vaterblick an mich ranlasse, desto mehr pulsiert in mir diese urtiefste Berufung Tochter zu sein. Mit Leib und Seele, Haut und Haar.

Tochter, geliebte Tochter. Das bin ich.

 

photo credit: kud4ipad <a href=“http://www.flickr.com/photos/131947100@N08/30923473131″>Field bouquet</a> via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/“>(license)</a&gt;
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Liebevolle Erinnerung

Da berührt Gott mein Herz so tief und ein paar Wochen später habe es schon wieder vergessen…Den Kopf voller to-do’s, das Herz voller Fragen. Der Alltag schafft es immer wieder, mich in meine Knie zu zwingen und lässt mich vergessen, welch großer Segen am Wegesrand zu finden ist. Und so brauche ich Gottes liebevolle Erinnerungen. Es ist ja kaum zu fassen, dass er nicht die Geduld mit mir verliert. Ein Gedächtnis wie ein Sieb hab ich, wenn es um seine Wunder und Wohltaten geht, die er an mir getan hat.

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Vor ein paar Tagen habe ich ein Buch aus dem Regal gezogen, dass ich schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr gelesen habe. ‚Poesie für jeden Tag‘ heißt es und ist so romantisch, wie der Titel verspricht. Ich liebe Gedichte, habe sie schon immer geliebt und auch selbst geschrieben. Seit unser viertes Kind auf der Welt ist, war mein Leben zu hektisch, ich chronisch übermüdet, so dass ‚Poesie‘ kaum Platz fand zwischen Windeleimer und Milchreistöpfen. Und vor ein paar Tagen eben, war mein Impuls es sei höchste Zeit mal wieder für ein bißchen Bildung für meine Seele. Ein paar schöne, kunstvolle Sätze, wie ich sie nie verwende, wenn ich mit meinen Kindern diskutiere, wer mit Tischdecken dran ist. Ein bißchen Träumen und Schwelgen in meiner kleinen Welt, die auf der einen Seite so übersichtlich begrenzt ist und doch so viel Chaos bergen kann.

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Ich öffnete das Buch, blätterte, bis ich das richtige Datum fand und las das Gedicht für diesen Tag. Und Gott sprach in mein Herz, wieder einmal:

‚Herz, mein Herz, sei nicht beklommen
Und ertrage dein Geschick,
Neuer Frühling gibt zurück,
Was der Winter dir genommen

Und wie viel ist Dir geblieben!
Und wie schön ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was Dir gefällt,
Alles, alles darfst Du lieben!‘

(Heinrich Heine)

Mit Tränen in den Augen dachte ich an jenen eiskalten Tag im Park, wo Gott mir auch schon den Frühling für meine Seele verheißen hat. Und nun erinnerte er mich liebevoll durch ein altes Gedicht an seine Verheißung, als ich gerade dabei war, zu vergessen und zu verzweifeln.

Nur Mut, mein Herz. Und Mut für Dein Herz, liebe Mama! Lass dich heute liebevoll von Gott an verborgene, verschüttete Versprechen erinnern. Der Herr sieht Dich und geht seinen Weg mit Dir. Vielleicht gefällt Dir die ein oder andere Abzweigung nicht. Vielleicht gehst Du einen einsamen Weg, vielleicht musst Du gerade durch einen dunklen Wald und Angst will sich breit machen in Dir. Vielleicht geht es schon lange steil bergauf und Du denkst, Du schaffst keinen weiteren Schritt.

Lass Dich heute ermutigen und erinnern. Der Herr ist mit Dir.

Eiszeit

Auf meinem Weg durch den Park. Die Luft ist eiskalt. Ich ziehe den Schal hoch, richte den Blick auf den Boden. Schnell gehe ich vorwärts.

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Wie oft gehe ich so durch das Leben? Gehetzt von den Umständen, kein Blick für meine Umgebung, den Elementen des Lebens scheinbar schutzlos ausgeliefert.

Als ich zitternd vor Kälte und mit einem bangen Herzen meinen Weg fortsetzte, hatte ich mit einem Mal den Eindruck das Lachen Gottes zu hören. Ein herzliches, offenes, liebevolles Lachen. Mit einem Mal brach die Sonne zu mir durch, ich hob meinen Blick und wollte dieses Lachen festhalten, mich in diesem Lachen bergen, es nie mehr vergessen. Dieses Lachen veränderte plötzlich meine Perspektive – um mich herum war noch tiefster Winter, aber ich hörte die ersten Vögel zaghaft zwitschern. Ich spürte, wie die Natur – scheinbar tot -um mich herum brodelte; ich sah förmlich, wie die Äste an den Bäumen intensiv arbeiteten, dass bald die ersten Knospen kommen können. Es war, als würde Gott in mein Herz sprechen:

Meine geliebte Tochter! Du siehst nur Winter, spürst nur Eiseskälte. Du ahnst nicht, welch großartige Dinge, ich für dich vorbereitet habe. Siehst du es nicht, erkennst du es nicht? Bald grünt und blüht dein Leben! Was noch grau und gefroren ist, wird fruchtbare Erde, was noch leblos auf die Sonne wartet, wird vor Leben strotzen. Warte nur ab, meine Tochter. Meine Worte sind wahr und meine Hoffnung real. Lass den Winter nur sein Werk tun, ich tue das meine in der Verborgenheit. Und das Verborgene wird triumphieren! 

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Ich war so tief bewegt über diese Gottesbegegnung in diesem menschenleeren Park. Wie konkret und oft so unerwartet der Herr doch in unser ängstliches Herz sprechen kann…Tiefer Frieden erfüllte mich und ein paar Schritte weiter entdeckte einen Baum, der tatsächlich schon die ersten Knospen trug. Ganz klein, ganz zaghaft. Als ich ein kleines Ästchen abbrach, war das Innere grün und saftig. Und das bei Eis und Schnee und Minusgraden…

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Seit ein paar Tagen nun trage ich diese Worte mit mir herum und bewege sie in meinem Herzen. Und ich glaube, dass der Herr nicht nur zu mir gesprochen hat, sondern dass diese Botschaft auch für dein Herz gilt. Egal in welcher Lebenssituation du dich befindest – der Winter wird weichen und der Frühling wird dein Leben bunt machen. Gib nicht auf, du Königstochter, sondern halte dich nah an Jesus, der dich durch die Eiszeit deiner Seele trägt. Der dir Sonne und Wärme spendet, wenn alles um dich herum kalt und klamm ist.

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Nimm dir ein wenig Zeit und versuche das Lachen Gottes zu hören! Er thront über den Schwierigkeiten unseres Lebens und verliert nie den Mut. Sein Lachen zeigt mir, dass er das gute Ende sieht, dass er um den Sieg weiß.

Winter, tu nur was du kannst! Du machst mir keine Angst. Mein Gott ist ein Gott des Neuanfangs, der Hoffnung, des immer wiederkehrenden Frühlings.

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‚Steh auf meine Freundin, meine Schöne und komm! Denn der Winter ist vorüber, die Regenzeit ist vorbei und vergangen. Die Blumen beginnen zu blühen, die Zeit des Singens ist gekommen.‘ Hohelied 2, 10

‚Doch auf sein Wort hin schmilzt alles wieder. Er schickt seine Winde und das Eis taut.‘ Psalm 147, 18

‚Denkt nicht mehr daran, was war und grübelt nicht mehr über das Vergangene. Seht hin: ich mache etwas Neues; schon keimt es auf. Seht ihr es nicht? Ich bahne einen Weg durch die Wüste und lasse Flüsse in der Einöde entstehen.‘ Jesaja 43, 18-19

Alle Fotos: Inka Hammond