Alltagsgnade

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Ich komme immer wieder zu diesem einen Wort zurück: Gnade. Über unserer Wohnzimmertür hängt ein Holzschild mit der Aufschrift ‚By Grace Alone‘.

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Allein durch Gnade.

Diese Familie. Dieses tägliche kleine (manchmal große) Chaos. Die Menschen, die durch diese Tür gehen, unter diesem Gnadenwort hindurch. Gnade ist in meinem Alltag allgegenwärtig. Im Kleinen (und ganz oft im Großen).

Oft wandert mein Blick hoch zu diesem Schild. Wir haben es uns gekauft, als wir durch ein tiefes Tal gehen mussten. Wir haben unser Baby in der 12. Schwangerschaftswoche verloren und uns ein Stück weit mit. Ich weiß noch als ich das unscheinbare Schild in diesem vollgestellten Laden entdeckte. Tränen stiegen mir in die Augen, als ich es zur Kasse mitnahm. In tiefster Traurigkeit und Verzweiflung war das mein ganz persönlicher, ganz inniger, ganz leiser Schlachtruf: Allein durch Gnade. Auch jetzt. Gerade jetzt.

Gnade allein genügt. Gnade hat uns damals durch dieses tiefe Tal getragen. Gnade hat mich auch heute durchgetragen, durch diesen langweiligen, verregneten Montag. ‚Allein durch Gnade‘ ist auch heute noch mein Schlachtruf, wenn die Kämpfe des Alltags überhand nehmen und der Feind in der Überzahl zu sein scheint. Allein durch Gnade.

Gnade. Jeden Tag. Neu.

‚Er freut sich über alle, die….von seiner Gnade alles erwarten.‘ Psalm 147, 11

Ich will alles von dieser Gnade erwarten. Alles. Ich lass mir dieses Wort auf der Zunge zergehen. Seine Gnade reicht aus…für alles. Für meine Gereiztheit. Meine Müdigkeit. Meinen Stolz. Meine Unbelehrbarkeit. Meinen Mangel. Meine Angst. Meine Sorgen.

Seine Gnade genügt.

Morgen will ich wieder Ausschau halten nach dieser kostbaren Gnade. Ich will diese Gnadenbeweise aufsammeln, aufbewahren in meinem Herzen und davon zehren, wenn der Alltagssturm wieder wild um sich weht.

Sieh dich um! Seine Gnade ist überall.

Noch ein kurzes Nachwort: mir ist gerade aufgefallen, dass die Pfingstrose, die zur Zeit auf unserem Eßtisch steht und die ihr auch auf den Fotos sehen könnt, nicht irgendeine Blume ist. Wir haben damals, als unser Baby gestorben ist, diese Pfingstrose gepflanzt und nun blüht sie seit 2 Jahren immer Ende Mai – zu diesem Zeitpunkt haben wir die schlimme Nachricht erhalten, dass keine Herztöne mehr bei unserem Baby sichtbar waren. Nun habe ich ganz unbedacht diese Blume mit dem Schild fotografiert und erst im Nachhinein bemerkt, dass da eine Verbindung besteht. Während ich diese Zeilen getippt habe, stieg mir der wunderbare süße Duft dieser Pfingstrose in die Nase. Wie habe ich gerade geschrieben? Seine Gnade ist überall. Es ist wirklich so. Jetzt gerade wieder, ganz frisch erlebt. Das Bittere macht er süß. Die Last macht er leicht. Die Traurigkeit verwandelt er in Freude.

Fotos: Inka Hammond

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4 Gedanken zu „Alltagsgnade

  1. Liebe Inka
    Da sitze ich nun mit nassen Augen vor deinem Text…. Wie wahrhaftig deine Worte sind. Es hat mich gerade mitten ins Herz getroffen! Ich wünsche dir heute einen Tag voller Zuversicht angesichts der Wäscheberge, Freude, wenn ein klebriger Kindermund dich küsst, Ruhe und Gelassenheit beim täglichen Kampf um Ordnung, halbwegs Sauberkeit, gesundes Essen zubereiten und den ewig leeren Kühlschrank auffüllen…Es ist sehr schön und bereichernd, dass du uns auf diese Weise an deinem Leben teilhaben lässt. Danke dir dafür! Herzliche Segensgrüsse, Claudia

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