Ein kleiner Kulturschock

Heute früh am Münchner Flughafen.

Wir haben gerade drei herrliche Wochen im kinderlieben Amerika verbracht. Unsere Kinder wurden überhäuft mit Komplimenten von Menschen, die uns einfach so auf der Straße oder in Geschäften begegnet sind, sie wurden immer und überall nett angelächelt und nie hatten wir als Eltern das Gefühl, unsere Kinder würden stören. An jeder Ecke, bei jedem Einkaufszentrum gibt es Angebote für Kinder, Hochstühle sind in Restaurants mehr als genügend vorhanden und werden sofort und ohne Aufforderung an den Tisch gebracht – natürlich mit einem Lächeln! Das Regal im Bastelgeschäft mit Angeboten für Kinder schien endlos und immer wieder wurde unseren Mädchen das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein: sei es mit rosa schimmernden Luftballons, einfach so von einer Servicekraft hervorgezaubert oder dass sie den besten Sitzplatz neben dem Kutscher bekamen, während alle ‚großen Leute‘ hinten saßen.

Zurück zum Münchner Flughafen. Wir sind müde nach einem 8 Stundenflug angekommen. Die Kinder quengeln: wir haben Durst! Papa kauft zwei Flaschen Saft. Mir wird schnell klar, dass das eine große Sauerei werden wird, wenn die Kinder so aus der Flasche trinken und gehe nochmal zurück zum Kiosk, zeige die zwei Flaschen, erkläre, wir hätten sie gerade hier gekauft, ich deute auf meine drei Kinder und bitte ganz freundlich um ein paar Strohhalme. Der Mann schaut mich an als käme ich von einem anderen Stern. Er pustet schwer die Luft aus. Er schaut hin und her – ich denke schon, gleich kommt die Antwort, sie hätten leider keine Strohhalme. Schließlich schlurft er vier Schritte nach rechts, streckt die Hand aus und kommt widerwillig mit *einem* Strohhalm zurück. Anscheinend habe ich das mit den *zwei* Flaschen und den *drei* Kindern nicht deutlich genug gesagt, bedanke mich aber für den einen Strohhalm, den mir der Mann mit mürrischem Gesicht über den Tresen reicht. Als ich mich umdrehe, höre ich ihn noch mit seinem Kollegen einen blöden Witz darüber machen, dass ich mich nicht nach dem Preis erkundigt habe.

Meine Kinder bedienen sich nun zu dritt an dem einen Plastikrohr (wenigstens verstehen sie halbwegs das Prinzip ‚Teilen‘) und ich denke etwas frustriert bei mir ‚Willkommen im kinderlieben, familienfreundlichen Deutschland.‘ Ich tagträume mich kurz zurück in’s Land der (fast) unbegrenzten Möglichkeiten und sehe mich dort an einem Tresen stehen: ‚May I have some straws for my kids, please?‘ ‚Sure! No problem! There you go!‘ (Ich bekomme einen ganzen Bündel gereicht). ‚Your kids are so cute! Have a great day!‘

Thank you.

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