Nesttrieb

4 Wochen noch. Und mittlerweile regen mich sämtliche Staubflusen in irgendwelchen Ecken dermaßen auf, dass ich es kaum ertragen kann, wenn sie nicht sofort entfernt werden. Der Nesttrieb hat eingesetzt. Am liebsten würde ich das Haus täglich von oben bis unten auf Hochglanz bringen, die Fenster minütlich von fettigen Handabdrücken befreien und die Schränke endlich mal aussortieren. Es ist für mich eine Zumutung, dass im Besteckkasten Krümel liegen und der Kühlschrank geputzt werden müsste. Und ich finde es unerträglich, dass meine Kinder es partout nicht lernen wollen, dass man seine Schuhe ordentlich ins Schuhregal stellt. Und nicht nach Lust und Laune den linken Schuh im Gästeklo und den rechten im Mützenkorb ablegt. Ach, und ist es denn die Möglichkeit, dass verschmutzte T-shirts nicht in der Dreckwäsche entsorgt werden, sondern feinsäuberlich in den Schrank zurückgelegt werden. Da ist allerdings jemand anderes schuld…

Es ist also egal, wieviel ich aufräume und putze und zurechtrücke und abwische. Gefühlte 5 Minuten später hat sich alles wie durch Zauberhand in seinen ursprünglichen Zustand zurück entwickelt. Unser Baby wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in einen perfekten, blitzblanken Haushalt geboren werden. Vielleicht ist das ganz gut so. Denn so kann sich unser Familienzuwachs gleich schon mal an das immer herrschende Chaos gewöhnen. 

Aber dieser Drang nach Sauberkeit, nach Ordnung – den hab ich auch, wenn sich Gäste ankündigen und es ist mir immer wieder peinlich dem Postboten die Türe zu öffnen, wenn die Garderobe aussieht wie…na ja. Ich laufe immer wieder Gefahr, meine Frustration über Sandkrümel im Wohnzimmer und sich stapelndes Geschirr in der Küche an meinen Kindern oder meinem Mann auszulassen. Die Ansprüche, die ich an mich stelle sind zuweilen zu hoch, als dass ich sie erfüllen könnte und ich muss mich manchmal täglich daran erinnern, dass es in meinem ‚Job‘ nicht um einen perfekt aufgeräumten Haushalt geht. 

Ich sehe gerade vor meinem inneren Auge meine Mittlere, wie sie meinen Babybauch bestaunte und sich erkundigte, wann denn mein Bauchnabel herausfallen wird. Oder meine Große, die mir einen Luftkuss zuwirft und fragt, ob er auch angekommen ist.  Meine Jüngste, die so lustig rennt, dass ich jedesmal lachen muss und die so süß ‚Ich hab dich lieb‘ sagen kann. Meinen Mann, der gerade alle drei Mädels ins Bett bringt, obwohl er selber so hundemüde ist .- nur damit ich mich ein wenig auf der Couch ausruhen kann. Und der mir neulich, als ich gerade in der 35. Woche war und mich wie ein gestrandeter Wal fühlte, eine Karte schenkte, mit der Aufschrift ’sexy‘. Das muss wahre Liebe sein.

Was machen da ein paar Staubflusen. Es ist doch so egal, wenn seit zwei Wochen unterm Küchentisch nicht gesaugt wurde (es kommt natürlich darauf an, was in dieser Zeit gegessen wurde…). Meine Güte, dann steht das dreckige Geschirr halt noch in der Küche. Hauptsache, ich habe alle Gutenachtküsse verteilt und meinen Kindern und meinem Mann gezeigt, wie sehr ich sie liebe. Das hat Prioriät! Immer! Auch wenn der Nesttrieb sich breit machen will. Geputzt werden kann später.

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3 Gedanken zu „Nesttrieb

  1. Ach Inka, das hat mich mal wieder sehr berührt und das ohne schwanger zu sein….;-)
    Ich lass auch so oft meinen Frust über die Unordnung an meinen Kindern oder Mann aus…
    und bin so perfektionistisch, vorallem wenn Besuch kommt. Das ist auch zur Zeit mit das größte Lernfeld bei mir!!! Danke für deine wertvollen Worte!

    Liebste Grüße
    Judith

    Ps.: Du siehst echt seeeeeeeeeeeeehr gut aus mit eurem Süßen im Bauch!!!!

  2. Hallo Inka, obwohl ich keine Kinder habe, bin ich auch immer wieder neu darin geübt, Gelassenheit im Blick auf meinen Haushalt zu üben. Ich bin nämlich sehr perfektionistisch veranlagt und muss leider gestehen, dass ich dann auch oft sehr nervös und frustiert bin, wenn nicht alles so klappt, wie ich das gerne hätte. Wie meine „Vorrednerin“ stört es mich auch besonders bei Besuch. Dabei sind gerade diese Leute es, die am wenigsten darauf achten, wie es aussieht. Normalerweise fallen die Besucher immer auf unser Sofa und sagen, wie gemütlich es bei uns ist. Dann kann ich mich auch wieder entspannen. Mein lieber Schatz sagt immer, dass ich nicht die Sklavin unserer Wohnung sein brauche. Er ist zum Glück sehr geduldig… 😉

  3. Danke Judith und Christina für euer Feedback. Ich hab mir ja fast schon gedacht, dass ich mit meinem ‚Putztrieb‘ nicht alleine dastehe..;-).ich wünsche euch ein schönes, putzfreies Wochenende mit ganz viel Familienzeit! =)

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