Winterzeit

Wir waren heute im botanischen Garten. Bei schönstem Matsch- und Regenwetter. Nicht gerade verwunderlich also, dass wir fast die einzigen Besucher waren.
Über dem ganzen Park lag winterliche Ruhe. Nur ab und zu hörte man einen mutigen Vogel singen und den getauten Schnee von den Bäumen tropfen. Fast andächtig schob ich den Kinderwagen an den leeren Blumenbeeten vorbei. Überall ragten kleine, grüne Schildchen mit den lateinischen und deutschen Namen der sonst hier blühenden Pflanzen hervor. Wären die Schilder nicht gewesen hätte man meinen können, hier würde nie und nimmer etwas wachsen.

Im Winter scheint alles tot. Es scheint Stillstand zu herrschen. Endstation zu sein. Selbst die Kinder haben irgendwann keine Lust mehr zum Schlittenfahren und Schneemannbauen. Das weiß und grau und braun wird langweilig. Die Seele sehnt sich nach Sonne und Farben.

Heute, bei unserem Spaziergang durch den botanischen Garten, wurde ich wieder an das Geheimnis des Winters erinnert. Das was nach Stillstand aussieht, ist unter der Schneedecke Vorbereitung auf den Frühling. Die vermeintliche Endstation bereitet emsig den Weg in neues Land, neues Grün, neues Leben. Die Seele braucht das Eintönige, um das Farbige wieder in sich aufnehmen zu können. Der Winter hat seinen Sinn.

Ich durchlebe immer wieder Winterzeiten. Meine Kinder gehen durch Winterzeiten. In meinem Alltag frostet es immer wieder. Dann fühlt es sich so an, als würde die Zeit still stehen. Nichts geht voran. Alles scheint leblos und langweilig. Ich friere dann innerlich. Sehne mich nach Aufbruch. Nach neuem Land. Nach frischem Leben.

Kennst du solche Winterzeiten? Brennt in dir dann eine tiefe Sehnsucht nach Farbe, nach Wärme, nach Licht? Nach Veränderung?

Man braucht Geduld um solche Phasen des Lebens zu überstehen. Und man muss wissen: es geht zu Ende. Auch wenn alles um dich herum gerade trist und trüb ist und das Land brach zu liegen scheint…sei gewiss: unter der Oberfläche regt sich das Leben. Bald bricht das erste Grün durch den gefrorenen Boden.
Und dann ist der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Das Leben kommt mit aller Macht!

‚Gott schickt Schnee wie weiße Wolle und streut auf den Boden Reif wie Asche aus. … Doch auf sein Wort hin schmilzt alles wieder. Er schickt seine Winde und das Eis taut.‘ (Psalm 147, 16 + 18)

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