Liebevolle Erinnerung

Da berührt Gott mein Herz so tief und ein paar Wochen später habe es schon wieder vergessen…Den Kopf voller to-do’s, das Herz voller Fragen. Der Alltag schafft es immer wieder, mich in meine Knie zu zwingen und lässt mich vergessen, welch großer Segen am Wegesrand zu finden ist. Und so brauche ich Gottes liebevolle Erinnerungen. Es ist ja kaum zu fassen, dass er nicht die Geduld mit mir verliert. Ein Gedächtnis wie ein Sieb hab ich, wenn es um seine Wunder und Wohltaten geht, die er an mir getan hat.

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Vor ein paar Tagen habe ich ein Buch aus dem Regal gezogen, dass ich schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr gelesen habe. ‚Poesie für jeden Tag‘ heißt es und ist so romantisch, wie der Titel verspricht. Ich liebe Gedichte, habe sie schon immer geliebt und auch selbst geschrieben. Seit unser viertes Kind auf der Welt ist, war mein Leben zu hektisch, ich chronisch übermüdet, so dass ‚Poesie‘ kaum Platz fand zwischen Windeleimer und Milchreistöpfen. Und vor ein paar Tagen eben, war mein Impuls es sei höchste Zeit mal wieder für ein bißchen Bildung für meine Seele. Ein paar schöne, kunstvolle Sätze, wie ich sie nie verwende, wenn ich mit meinen Kindern diskutiere, wer mit Tischdecken dran ist. Ein bißchen Träumen und Schwelgen in meiner kleinen Welt, die auf der einen Seite so übersichtlich begrenzt ist und doch so viel Chaos bergen kann.

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Ich öffnete das Buch, blätterte, bis ich das richtige Datum fand und las das Gedicht für diesen Tag. Und Gott sprach in mein Herz, wieder einmal:

‚Herz, mein Herz, sei nicht beklommen
Und ertrage dein Geschick,
Neuer Frühling gibt zurück,
Was der Winter dir genommen

Und wie viel ist Dir geblieben!
Und wie schön ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was Dir gefällt,
Alles, alles darfst Du lieben!‘

(Heinrich Heine)

Mit Tränen in den Augen dachte ich an jenen eiskalten Tag im Park, wo Gott mir auch schon den Frühling für meine Seele verheißen hat. Und nun erinnerte er mich liebevoll durch ein altes Gedicht an seine Verheißung, als ich gerade dabei war, zu vergessen und zu verzweifeln.

Nur Mut, mein Herz. Und Mut für Dein Herz, liebe Mama! Lass dich heute liebevoll von Gott an verborgene, verschüttete Versprechen erinnern. Der Herr sieht Dich und geht seinen Weg mit Dir. Vielleicht gefällt Dir die ein oder andere Abzweigung nicht. Vielleicht gehst Du einen einsamen Weg, vielleicht musst Du gerade durch einen dunklen Wald und Angst will sich breit machen in Dir. Vielleicht geht es schon lange steil bergauf und Du denkst, Du schaffst keinen weiteren Schritt.

Lass Dich heute ermutigen und erinnern. Der Herr ist mit Dir.

Am Anfang dieser Woche

jesus
am anfang dieser woche
weiß ich um meine schwachheit
und jede stunde
erscheint mir wie ein unüberwindbarer berg

lass mich erfahren
wie du meine kraftlosigkeit
in kraft verwandelst
meine trauer in freude
meine enttäuschung in neue perspektiven

jesus
am anfang dieser woche
bin ich nicht allein
danke für deine hand
die mich hält
für deine liebe
die mich trägt
ich bin nicht allein
mehr brauche ich nicht zu wissen
am anfang dieser woche

Herbstspaziergang

das herbstlaub
breitet sich vor mir aus
wie ein
rotbunter teppich

das warme sonnenlicht
fällt durch die zweige
ein fingerzeig gottes
auf meinem weg

die blätter rascheln
der wind schüttelt weitere ab
und sie fallen auf mich
wie gold vom himmel

umgeben von so viel vergänglicher schönheit
füllt sich mein herz
mit sehnsucht und vorfreude
auf das danach

Ausblick

Ausblick 

Zuletzt
wirst du aufstehen
aus der Klage.
Verwehen
wird dein banges Fragen
wie ein Nichts.

Zuletzt
wirst du erkennen,
dass deine Grenzen
Brücken waren
auf dem Weg
zu ihm,
dass du niemals
tiefer umarmt warst
als im Leid.

Zuletzt
wird nur dies Eine bleiben:
das dankbar Gewahren,
dass alles gut war,
wie es war.

(Autor unbekannt)

gestern auf dem weihnachtsmarkt…

kein durchkommen mit dem kinderwagen

auf dem weihnachtsmarkt
endlich sind wir
auf umwegen
an der krippe angelangt

es ist kein ärmlicher stall
sondern eine bayerische bauernkate
plastikfiguren mit dauerlächeln und dirndel
schauen auf das
baby in der krippe
goldtuch und lichterkette
sollen hinweisen auf das
halleluja der engel
und doch baumelt da von der decke nur
ein dicker cherubim

wo ist das wunder geblieben
das geschah
als der könig der könige
sich aufmachte als diener
in unsere welt
wo ist die freude der hirten geblieben
die als erste das ungeheuerliche
erahnten

die menschen lassen sich weiterschieben
im weihnachtsmarktgetümmel
weg von der krippe
weiter auf der suche

zeit haben

du hast alle zeit der welt
lässt dich nie aus der ruhe bringen
hast deinen ganz eigenen rhythmus

wenn wir alle schon längst fertig sind
mit dem frühstück
beißt du gerade das erste mal
von deinem nutella-brot ab

du verpaßt kein straßenrandwunder
immer wieder hälst du inne
keine noch so kleine raupe
und kein käfer
entgeht deinem blick

und ich?
ich drängle und drohe
trommle mit den fingern ungeduldig auf den tisch
ich mahne, rufe, schimpfe
und schieb dich an
der zeitdruck meiner welt
raubt dir das wunder der deinen

ich will lernen
langsamer zu werden
mich ein wenig mehr
deinem tempo anzupassen
rücksicht will ich nehmen

wenn der sekundenzeiger gnadenlos tickt
und du seelenruhig und unbeeindruckt
deiner inneren uhr folgst
dann will ich drei mal tief durchatmen
und ein stück
neben dir hergehen

Foto: Inka

herbstgedanken

die sanfte schwere
des herbstnebels
ruht über dem tag

die vögel singen leiser
und die blätter
fallen

gemähchlich legt sich die natur
zur ruhe

möge mein herz
sich diesem rhythmus
anpassen
und mein alltag etwas
langsamer werden

ich will mir die zeit nehmen
zum innehalten
zum festhalten
an dir

Foto: Inka

ein tag

frühstück
kinder anziehen
herbstluft einatmen
zu spät zum kindergarten kommen
lebensmittel einkaufen
essen kochen
wohnzimmer saugen
wäsche waschen
bett machen
kaffee aus der lieblingstasse trinken
schuhregal einräumen
winterkleidung sortieren
spielzeug einsammeln
arzttermin ausmachen
arzttermin nicht vergessen
elternabendzettel ausfüllen
duschen
post reinholen
rechnungen bezahlen
nase putzen
medizin verabreichen
trost spenden
kinder abholen
mittagessen
kuscheln
gemeinsam puzzeln
buch vorlesen
RUHEZEIT
kind ermahnen
kind ermutigen
(oder andersherum?)
fehler eingestehen
von vorne anfangen
handabdrücke auf der terassentür ignorieren
muffins backen
teig schlecken
besuch empfangen
unterhaltung führen
sonne genießen
abendessen
zuhören
zähne putzen
jetzt bloss kein drama
gute-nacht-küsse verteilen
lange umarmen
halbtot auf die couch fallen

mir für morgen vornehmen:
ich will mehr
gnade erkennen
und
segen suchen
zwischen all der hektik