Kastaniensegen

Auf dem Schulhof stehen Kastanienbäume und meine Kinder kommen nun jeden Tag mit Taschen voller Kastanien nach Hause. Voller Freude laden sie ihre Schätze auf dem Küchentisch ab – und lassen sie dann auch da liegen.

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Wir haben mit Kastanien in den letzten Jahren schon alles mögliche gebastelt: Kastanienketten, Kastanienkränze, Kastanienmännchen. Aber so langsam gehen mir die Ideen und auch die Stauräume aus. Denn die gebastelten Kunstwerke darf ich ja auf keinen Fall entsorgen!

Ich liebe Kastanien. Ich liebe es, die harte, stachelige Schale auseinander zu brechen und dann die Kastanie perfekt eingeschmiegt vorzufinden. Ich liebe die dunkelbraune Oberfläche, so glänzend wie fein poliertes Edelholz. Ich liebe es, wie sich die Kastanie in meiner Hand anfühlt, glatt und kühl. Kastanien sind außergewöhnlich schön.

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Aber zu viele Kastanien nerven, ehrlich gesagt.

Ich weiß nicht mehr, wohin damit. Wir haben mittlerweile mehrere Tüten und Taschen vollgepackt und nach einiger Zeit sehen die Kastanien auch nicht mehr schön aus. Sie werden schrumpelig, der Glanz geht verloren.

Ich muss knallhart Kastanien aus unserem Haus verbannen!

Das fällt mir schwer. Ich überlege, was ich vielleicht doch noch basteln könnte. Aber nein, dieses Jahr fehlt die Zeit, die Energie und die Ideen. Ich muss aussortieren, was dran ist, was in unser Familienleben gerade reinpasst. Ich muss das Gute vom Besten trennen.

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Es gibt noch mehrere solche Bereiche in meinem Leben, wo Kastaniensegen herrscht: viele gute Dinge, die aber Zeiträuber und Platzräuber für das Beste geworden sind. Ich muss lernen, ’nein‘ zu sagen und neu gewonnenen Freiraum nicht gleich wieder zuzumüllen.

Gott stellt meine Füße auf weiten Raum. Er möchte, dass ich in meinem Alltag durchatmen kann. Sobald ich das Gefühl habe, es wird mir alles zuviel, so als würde ein Elefant auf meinem Brustkorb sitzen, gehen die innerlichen Alarmglocken los. Was kann weg? Was ist nicht notwendig? Was ist nicht dran?

Gott ist kein Gott, der hetzt. Gott ist ein Gott der Ruhe.

Vielleicht behalten wir eine handvoll Kastanien. Die fülle ich in ein Glas und stelle ein Teelicht drauf. Die Idee kam mir gerade.

Und der Rest kommt weg.

 

 

(Fotos von pixabay.com)

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Die kleinen Dinge

Vor ein paar Tagen kam meine 9jährige Tochter mit einer Kastanienschale nach Hause. Sie drückte sie mir in die Hand und sagte mit einem breiten Grinsen: ‚Für dich! Da ist was drin.‘ Ich öffnete die Schale, dachte natürlich, dass ich eine schöne Kastanie vorfinde. Aber stattdessen lag ein zusammengefalteter Zettel darin, mit den Worten: ‚Ich liebe dich, Mama.‘.

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Oh, mein Herz.

Mein Alltag, diese verrückte, chaotische, herausfordernde Aneinanderreihung von Tagen, besteht aus vielen, kleinen, wunderbaren Momenten. Als ich vor nun fast 6 Jahren meinen Blog ‚Alltagsliebe‘ getauft habe, nahm ich als Untertitel diesen Satz her: ‚Im Alltäglichen das Wunderbare entdecken.‘

Das ist die Botschaft an jeden von uns: dieses Leben ist so wundervoll, so prall gefüllt mit Segen und doch verpassen wir oft das Besondere, das jeder Tag in sich birgt. Wir hetzten und hasten, ein Termin jagt den nächsten, wir sind übermüdet und überfordert und stolpern so durch unser Leben.

Gott ist im Kleinen. Nicht nur! Aber auch. Und wir warten oft auf das Große, unübersehbare – aber zuvor müssen wir lernen unseren Blick zu schärfen für das Verborgene. Es ist wie eine Sehschule. Gott trainiert unsere Augen, unsere Wahrnehmung für sein Wesen im Kleinen. Zwischen Töpfen und Pfannen, Windeln und Wäsche, Terminen und Small-Talk mit der Nachbarin. Er will, dass unsere Herzen mehr und mehr im Einklang mit dem seinen schlagen, er sehnt sich nach unserer Aufmerksamkeit. Unser Alltag ist ein wunderbarer Ort um genau das zu trainieren:

Gott im Kleinen zu suchen, damit wir ihn auch im Großen finden können.

Ich beobachte bei mir, dass ich im feinfühligen Entdecken von Gottes Gegenwart in meinem Leben, ihn immer mehr lieben lerne. Ich begreife, dass er mich tatsächlich im Blick hat und dass das kleine alltägliche Einerlei ihm nicht egal ist. Er ist mit mir mittendrin und ich kann nicht anders, als staunen.

Um euch ein Beispiel zu geben: seit ungefähr einem Jahr spricht Gott zu mir durch Federn. Ich finde überall, auch an den unmöglichsten Orten kleine, weiße, flauschige Federn. Erst vorhin habe ich meinem Sohn eine kleine Ecke auf dem Balkon eingerichtet, wo er Playmobil spielen wollte, und da lag mitten in der Abflussrinne, wo es eigentlich dreckig und naß ist, eine kleine weiße Feder. Sofort flutete Frieden durch mich und ein Lächeln huschte über meine Lippen. Ja, er sieht mich! Er grüßt mich mit tausend Liebesgrüßen, jeden Tag aufs Neue. Ich bin geborgen unter seinen Flügeln.

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Und sein Wort. Ich liebe, wie lebendig Gottes Wort ist. Es trifft mich so oft mitten ins Herz. Vielleicht haben einige von euch mein erstes Facebook Live Video (hier klicken, um es ansehen zu können) gesehen. Darüber sprach ich über Mangel und wie wir lernen können, mit Mangel umzugehen. Ein paar Tage später las ich in den Losungen diesen Vers: ‚Mein Gott wird allem euren Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Jesus Christus.‘ Phil. 4,19 Wie schön ist das? Gott hat schon unzählige Male durch die Bibel so konkret und so liebevoll in mein Leben hinein gesprochen.

Ich möchte dich, liebe Mama, herausfordern, dass du durch deinen Tag mit offenen Augen und offenem Herzen gehst. Gott will dir begegnen, er will zu dir sprechen. Er hat eine Botschaft für dich, auch heute.

Er gibt dir deinen Alltag in deine Hände und sagt: ‚Für dich! Da ist was drin.‘ Und dann öffnest du das kleine, unscheinbare Geschenk und weißt, du bist geliebt.

 

 

Wenn alles schief läuft

Es sollte eine ruhige, erholsame, friedliche Woche werden. Viel Zeit für die Kinder. Zeit für meinen Mann. Zeit für mich. Ein Buch lesen, vielleicht sogar zwei. Innerlich wieder ruhig werden nach wochenlangem Stress.

Nichts, wie erhofft

So hatte ich mir das vorgestellt, aber es kam anders. Am ersten Tag unserer Urlaubswoche stürzte unser Sohn auf einem Spielplatz. Mitten in einer Stadt, in der wir uns nicht auskannten, ohne Auto. Also trug mein Mann unseren Sohn zur U-Bahn Station und wir gingen zum nächstbesten Krankenhaus. Nein, dort können sie unseren Sohn nicht behandeln. Wir sollten wieder zurück in die Innenstadt, ins Kinderkrankenhaus. Also wieder hinaus in die drückende Hitze, mein Mann unseren Sohn auf den Armen. Endlich kamen wir völlig verschwitzt bei der Notaufnahme an und wussten nach fast 4 Stunden Wartezeit: Ellenbogenbruch.

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Die Nacht darauf war nicht gut. Unser Sohn hatte Schmerzen, kam mit dem Gips nicht zurecht. Völlig übermüdet wachten wir am nächsten Morgen auf. Was für ein Start in einen herbeigesehnten Urlaub! Wir versuchten optimistisch zu bleiben und das Beste zu erwarten. In der darauffolgenden Nacht übergab sich unsere Tochter. Am dritten Urlaubstag wusch ich den ganzen Tag Bettwäsche. Unsere zweite Tochter lag im Bett mit Magenkrämpfen. In mir regte sich Unmut. Anklage gegenüber Gott. Das soll unsere wohlverdiente Auszeit sein? Kannst du das nicht besser, Gott?

Unsere Urlaubswoche ging so weiter. Nachts viel Weinen, Trotzanfälle unseres Sohnes, der sich mit dem Gipsarm allzu sehr eingeschränkt fühlt. Schlecht gelaunte Kinder. Genervte, müde Eltern. Alles ging den Bach runter.

Karfreitag – Tag der Hoffnung

Und dann war Karfreitag. In mir war keine Andacht. Keine Ruhe. Wie sehr wollte ich mit den Kindern dieses Ostern ganz bewusst erleben. In die Tiefe gehen. Zeit zum Lieder singen, Bibelstellen lesen. Beten. Nichts da.

Weil sich unsere ganzen Pläne verschoben haben, sind wir an Karfreitag in den Zoo gegangen – die Idee hatten mit uns gefühlt 10 000 andere Menschen. Es war voll, laut, die Tiergehege kaum zugänglich. Ich erinnerte mich an ähnliche Situationen vor ungefähr einem halben Jahr. Da konnte ich Menschenmassen nicht aushalten. Da brach in mir die schiere Panik aus, wenn es  um mich herum laut war und ich nicht einfach weggehen konnte. Da hätte ich so einen Tag im Zoo nie und nimmer geschafft. Aber dieses Mal funktionierte es. Ich blieb innerlich ruhig. Ich konnte mich auf die Kinder konzentrieren. Ein kleines, großes Wunder. Auferstehungskraft in mir. Ich konnte erkennen: Gott hat an und in mir gearbeitet in den letzten Wochen und Monaten. Ich bleibe nicht am selben Fleck stehen, es tut sich etwas, ich gehe vorwärts. Halleluja! Und so erfüllte sich mein Herz an diesem kühlen Karfreitag im überfüllten Zoo mit Lobpreis. Herr, du bist gut zu mir. Du stehst zu deinen Verheißungen. Danke, dass du für mich am Kreuz gestorben bist, dass ich Leben in Fülle haben kann. Danke, dass du die Angst besiegt hast. 

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Trotz allem

Ich schaue auf diese verkorkste Urlaubswoche zurück. Habe ich die Ruhe gefunden, nach der ich mich so gesehnt habe? Nein. Habe ich neue Kräfte für den Alltag getankt? Nicht wirklich. Ist mir Jesus begegnet? Ja.

In allem Schwierigen, in allem Frustrierenden, in allem so Sinnlosen. Armbruch im Urlaub. Magen-Darm. Zahllose Trotzanfälle. Jesus war da.

Meine Tochter drückte mir gestern eine fast verwelkte Blume in die Hand. An einem Stiel mindestens 20 klitzekleine, tiefblaue Blüten. Auf den winzigen Blütenblättern noch verschiedene Schattierungen. Atemberaubend schön. Meine Tochter fand die Blume auf den Boden liegen, im Staub.

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Und so ist das mit meinem Leben auch oft. Ich liege im Staub, fühle mich übergangen, nicht gesehen, bräuchte so dringend eine Vase mit frischem Wasser. Der Herr sieht mich und hebt mich auf. Er gibt mir zu trinken. Er richtet meinen Blick auf die Wahrheit. Mein Leben ist gerade eine kleine, mittlere oder große Katastrophe? Jesus hat am Kreuz gesiegt und nichts, was ich gerade durchmache, hat er nicht schon vor mir getragen.

Meine Lasten werden tragbar, weil sie schon auf seinen Schultern lagen.

Morgen werde ich mit gemischten Gefühlen die Koffer packen. Der Alltag wartet schon mit neuen Herausforderungen, denen ich mich nicht gewachsen fühle. Aber in mir klingt das Lied aus dem Ostergottesdienst von heute morgen nach: ‚Vollbracht, vollbracht! Es ist vollbracht. Der Weg ist jetzt frei in deine Gegenwart.‘

Das ist was zählt. Seine Gegenwart in meinem Jetzt. In meiner Traurigkeit, meiner Müdigkeit. Sein Sieg in meinem Unvermögen, meiner Wut. Sein Ja in meinen Unmöglichkeiten, in meiner Begrenztheit. Sein Leben in meinen Enttäuschungen, meinem Versagen. Jesus ist alles, was zählt. Hätte ich ihn nicht, wäre alles ein Scherbenhaufen. Er macht alles neu und kann selbst so eine schief gegangene Woche in Segen verwandeln.

Daran halte ich mich fest, wenn es morgen wieder nach Hause geht.

Osterfreude inmitten von Verzagtheit. Auferstehungskraft in meiner Schwachheit.

Am Ende der Karwochen unseres Lebens steht immer das leere Grab, erklingt immer Osterjubel.

Alle Bilder Copyright Inka Hammond

Ich kann die Uhr ticken hören

Ich kann die Uhr ticken hören.

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So leise ist es. Lange Jahre war vormittags immer mindestens ein Kind in meinem Arm. Oder an meinem Bein. Ich sehe kleine Hände voller Wasserfarben. Ich erinnere mich an die Seifenberge im Waschbecken, wenn ich mich mal schnell ums Aufräumen gekümmert habe. Der umgekippte Abfalleimer, die vollgekritzelte Wand. Es war immer etwas los. Es war bunt und anstrengend und … niemals leise.

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Jetzt sitze ich am Küchentisch und kann kaum glauben, dass diese Jahre vorbei sind. Wo ist die Zeit geblieben? Nun kommt es mir wie eine ferne Erinnerung vor, dass ich diesen Tag der Ruhe herbei gesehnt habe. Endlich nur ich. Endlich Ordnung. Endlich kein Kind, das mir beim Klo putzen helfen will.

Nun ist es soweit und ich vermisse das Kinderlachen. Das Türen knallen. Das ‚Mama, darf ich bitte, bitte, bitte vom Teig naschen?‘ Und das hunderttausendste:’Mama, spielst du mit mir?‘.

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Meine drei großen Mädchen sind in der Schule, der Jüngste im Kindergarten. Wenn ich den letzten Abschiedskuß gegeben habe, bin nur noch ich da. Das kommt mir so wenig vor. Viel zu leise. Viel zu aufgeräumt. Keine kleinen urplötzlichen Katastrophen mehr. Ich fühle mich ein wenig verloren in dieser neuen Welt. Muss mich erst noch zurecht finden. Ich frage mich, was ich zuerst putzen soll oder ob ich mich jetzt an aufwendigeres Mittagessen wagen kann. Oder ob ich einfach mal was nähen soll oder spazieren gehe?

Ganz zaghaft stehe ich an der Schwelle zu dieser neuen Zeit – vormittags ohne Kinder. Ich sehe schon das ein oder andere, das schön sein wird und das meiner Seele gut tun wird. Lange war für so vieles keine Zeit. Kein Platz. Aber jetzt – jetzt vermisse ich gerade die kleine Hand in meiner. Das zweite Frühstück mit Nutellabrot. Das spontane Kuscheln auf der Couch. Und wen soll ich jetzt beim Einkaufen bei Laune halten? Werde ich ganz abwesend den Einkaufswagen beruhigend hin und her schieben? Ein wenig neidisch auf die Mama sehen, die mit MaxiCosi unterwegs ist? Am liebsten das schreiende Baby da vorne an der Kasse auf den Arm nehmen?

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Wenn meine Kinder dann mittags wieder zu Hause sind, gebe ich ihnen eine extra lange Umarmung. Setze mich hin, höre mir all die Geschichten an. Erstaunlich, was an einem Vormittag so alles passieren kann! Ich schaue auf ihre Gesichter, präge sie mir genau ein. Ich lächle, weiß wieder einmal mehr, wie sehr ich gesegnet bin mit diesen vier wunderbaren Menschen. Ich staune auch, denn sie werden so schnell groß. Der Kleine lässt sich nicht mehr beim Schuhe anziehen helfen. Die Erstklässlerin holt ganz stolz ihre erste Hausaufgabe heraus. Meine Zweitgeborene scheint seit dem Abschiedskuß heute morgen zwei Zentimeter gewachsen zu sein und meine Große ist schon ein richtiger Teenager. Hab ich sie nicht erst mit dem Bobbycar zum Spielplatz begleitet?

Es ist wieder laut zu Hause, das Mittagessen wird ausgeteilt. Jeder spricht durcheinander, es ist lustig und nervig und schön. Ich lehne mich zurück, blicke mich um. Diese vier Menschen. Jetzt sitzen sie noch hier an diesem Tisch. Diese Zeit ist mir geschenkt. Welch Gnade. Welch Glück. Dankbarkeit erfüllt mich. Und Ehrfurcht.

Ich kann die Uhr ticken hören.

 

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Viel Segen

Meine 5jährige Tochter drückte mir vorhin einen Zettel in die Hand. Sie hat ihre ältere Schwester beauftragt mit der uralten Schreibmaschine folgenden Satz zu schreiben:

liebe mama ich wünsche dir fil seggen

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Dieser mit viel Sorgfalt ausgeschnittene Zettel und dem durchgestrichenen ‚g‘ liegt gerade neben dem Computer und mein Blick fällt immer wieder auf die akkurate, getippte Schrift, die so gar nicht zur Grammatik passen will. Ich bin so gerührt von der Aufmerksamkeit meines kleinen Mädchens und mein Herz wird ganz warm.

Doch -hab ich das verdient?

Gestern erst waren meine Nerven zum zerreißen angespannt, ich wurde zu schnell laut, hab zur Eile gedrängelt, hab nicht aufmerksam zugehört. Am Abend hab ich halbherzig das Gute-Nacht-Lied gesungen und war froh, als ich endlich -allein- auf der Couch saß.

Und dann in der Ruhe des Abends kam das schlechte Gewissen. Das Gefühl – mal wieder -versagt zu haben. Mir tat jedes zu laute Wort leid. Jede verpasste Umarmung. Ich tat all das, was meine Kinder nicht tun sollen.

Dieser Zettel ist ein großer Hoffnungsschimmer für mich. Ja, ich mache Fehler. Jeden Tag. Oft könnte ich daran verzweifeln, dass ich wieder in dieses Fettnäpfchen getreten bin. Aber der Herr ist treu. Seine Güte ist jeden Morgen neu. Meine leeren Hände füllen sich mit seinem Segen. Die Vergebung für meine Fehltritte ist purer Segen, reine Gnade.
Meine Tochter wünscht mir das, was ich am meisten brauche:

den Segen, das Wohlwollen, das ‚Ja‘ Gottes über mir. Auch wenn zum tausendsten Mal schief läuft.

Ohne den Segen Gottes meinen Alltag meistern  – das ist wie ein Auto ohne Benzin, ein Fahrrad ohne Reifen, ein Hefezopf ohne Hefe. Ich brauche diese Bestätigung, das Wissen, dass ich jederzeit von vorne anfangen darf.
Ich pflanze, aber der Herr schenkt den Regen, damit der Samen keimen und wachsen kann. Ich investiere, aber der Herr arbeitet im Verborgenen in den Herzen meiner Kinder und schenkt Vorankommen. Ich erziehe, aber der Herr schenkt meinen Kindern Einsicht. Ich putze und räume auf, aber der Herr füllt die Räume unseres Zuhauses erst mit Wärme und Geborgenheit.

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Ja, meine kleine Tochter: ich brauche den Segen Gottes. Das hast du absolut richtig erkannt. Wenn Mama schlecht gelaunt ist, braucht sie den Segen Gottes. Wenn Mama die Muffins für den Geburtstag backt, braucht sie den Segen Gottes. Mama ohne den Segen Gottes – das geht nicht, das funktioniert nicht. Danke, dass du mich daran erinnert hast!

Jeder noch so kleine Handgriff bekommt erst Sinn und Tiefe, wenn der Segen Gottes darauf ruht. Wenn mein Herz dem Einen zugewendet ist, der die Arbeit meiner Hände segnet.

Ohne Sein Zutun, ist mein Tun nichts. (Psalm 127)

 

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Wieder so ein Tag

 

Ist es wieder so ein Tag, wo alles schief geht? Ein Tag, wo du nah am Wasser gebaut bist und dich am liebsten verkriechen würdest? Ein Tag, wo die Hose zu eng sitzt (trotz Salat am Abend…), die Kinder nur ’nein‘ sagen, die Wäsche sich nicht von selber aufhängt, du keine Lust zum Kochen hast?

Ist es wieder so ein  Tag, wo dein Versagen wie Neonreklame über dir hängt und du dich selbst verklagst?

Lass diesen Tag nicht einfach vorüber ziehen. Sehne dich nicht nach dem Moment, wo endlich Ruhe herrscht. Erhebe deinen Blick, steh auf aus dem Staub! Du bist für mehr geschaffen, als nur zu überleben. Du bist für mehr gemacht, als immer nur am Limit zu sein.

‚Du bist wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.‘ Jesaja 58,11

Nimm alles, was du nicht bist. Nimm alles, was du sein willst. Nimm all deinen Mangel, deine unerreichten Ziele, deine tiefen Abgründe und gebe sie Jesus. Und dann steh vor ihm mit deinen leeren Händen und empfange, was er für dich hat.
Ehre, Würde, Kraft, Freude, Stärke, Schönheit, Ausdauer, Geduld. Und noch so viel mehr.

Dein Nichtkönnen an diesem Tag, wird erfüllt von seinem Können. Deine Schwachheit wird erfüllt von seiner Stärke. Deine Kraftlosigkeit darf in seiner Gegenwart wieder zu Kraft werden…und du sollst laufen und nicht müde werden.

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(Copyright Inka Hammond)

Blicke auf, liebe Mama! Erhebe dich, Königstochter. Sieh, welches Land dir der König schenken will…

Gebt den Kindern Zeit!

Heute früh hatten wir jenes Szenario, das wir jeden Morgen haben. Von Montag bis Freitag. Dieses Szenario heißt ‚Wir müssen bis halb 9 im Kindergarten sein‘ und beinhaltet, dass mindestens ein Kind von mir ungeduldig die Treppe hoch oder runter gezogen werden muss und dass beim Frühstück keine Zeit bleibt. Es beinhaltet, dass das Zähneputzen ’schnell, schnell‘ gehen muss und beim Jacke anziehen irgendjemand der Geduldsfaden reißt. Diese eineinhalb Stunden zwischen 7 und halb 9 machen mich fertig und ich staune hinterher jedesmal, dass der Tag eigentlich noch gar nicht richtig angefangen hat. Wenn ich aus dem Kindergarten rauskomme, bin ich schweißgebadet und wünsch mir das Wochenende herbei.

Meine jüngste Tochter, dreieinhalb Jahre alt, HASST diese Rumtreiberei am frühen Morgen und will sich vor dem Frühstück eigentlich erstmal für eine halbe Stunde ins Spielzimmer verziehen. Aber nein, wir müssen uns anziehen und Haare kämmen! Sie ist auch nicht so der Frühstücksesser – am Wochenende so ab 10 wird mal so nebenbei eine halbe Semmel mit Nutella verdrückt, aber ohne großen Enthusiasmus. Irgendwie tut sie mir echt leid, wenn sie da vor ihrer Müslischüssel sitzt und mehr Milch danebenkleckert als in den Mund gelangt und damit natürlich ihre Kleidung einsaut. Was mich wiederum zur Weißglut bringt, weil wir KEINE ZEIT zum Umziehen haben.

Zu diesem Zeitpunkt ist meine Älteste (7 Jahre) schon längst außer Haus. 2. Klasse Grundschule. Sie wird so gegen 13 Uhr nach Hause kommen und um 14 Uhr werde ich sie dazu drängen müssen mit den Hausaufgaben anzufangen. Sie ist ein wirklich schlaues Mädel, meine Große, aber nach 5 Stunden Schule hat sie keine große Lust auch noch 1 1/2 Stunden Hausaufgaben zu erledigen. Was machen die eigentlich die ganze Zeit in der Schule, frage ich mich, dass die Lehrerin es für notwendig erachtet den gefühlten gesamten Unterrichtsstoff als Heimarbeit aufzugeben? Ist das schon der Gymnasiumdrill? Irgendwie werden wir uns durch die Aufgaben durchwurschteln und am Ende sind wir beide erledigt. Kopfrechnen war noch nie meine Stärke und das hab ich anscheinend weitervererbt. Um 16 Uhr waren wir gestern endlich fertig und Joela meinte in der letzten Zeit öfters sehr frustriert: ‚Ich hab keine Zeit mehr zum spielen!‘ Und das ist wirklich so! Dieses zeitvergessene, in eine andere Welt abgetauchte Spielen – dafür hat sie keine Zeit mehr. Nach den Hausaufgaben geht es raus an die frische Luft, das ist auch wichtig, ja, aber ich wünschte ich würde meine Tochter öfter mit ihren Playmobilsachen hantieren sehen. 2. Klasse und keine Zeit mehr zum spielen. Das macht mich sprachlos.

Ich bin ja sowieso schon eher abgeneigt irgendwelche extra Termine für meine Kinder einzuplanen – der Gang zum Kieferorthopäden ist schon immer eine kleine Katastrophe (‚wir wollen aber spielen!!‘). Wenn mich meine Kinder nach dem Mittagessen fragen, ob für den Nachmittag irgendetwas geplant ist und ich sage ‚Nichts!‘, dann ist die Freude groß. Und ich glaube, das liegt daran, dass Kinder vor allem Zeit brauchen. Zeit zum spielen, Zeit zum nichtstun, Zeit zum draußen herumströmern, Zeit zum basteln, Zeit zum kuscheln mit Mama. Zeit, Zeit, Zeit. Für Kinder gibt es wohl nichts schlimmeres als zu irgendeinem Termin zu hasten, die genervte und gestresste Mama im Rücken, weil wir ja wie immer zu spät dran sind.

Ich bin immer am Überlegen, wie ich meinen Kindern im Alltag mehr Zeit geben kann! Ich hab z.B. gemerkt, dass das Küche aufräumen am Nachmittag ein großer Stressfaktor für uns alle ist. Ich will es erledigt haben, die Kinder brauchen aber alle nach dem Vormittag weg von zu Hause Aufmerksamkeit. Gut, jetzt bleibt die Küche eben bis zum Abend ein Sauhaufen – wenn das meinen Kindern Zeit gibt, soll mir das recht sein. Ich will mich auch nicht mehr in der Früh so stressen lassen, von wegen bis halb 9 im Kiga. Wenn man ein Baby hat, das gerne noch mal volle Kanne in die Windel reinmacht, wenn alle schon fertig angezogen sind, kann man sowieso mit Sicherheit davon ausgehen, dass wir zu spät kommen. Aber ist das so schlimm?  Wir sind zwar in der Regel mit die letzten, die im Kiga eintrudeln, aber wenn das bedeutet, dass ich 5 Minuten mit meiner Jüngsten kuscheln konnte und ich kein einziges Kind entnervt angefahren habe, dann soll mir das recht sein! Und warum nicht mal öfters ein langes Wochenende einlegen und den Vormittag im Schlafanzug verbringen? Gebt den Kindern Zeit…

Der Trend hält genau dagegen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was ein dreijähriges Kind durchmacht, wenn es jeden Morgen um halb 7 bei der KiTa abgeliefert wird und erst kurz vor Schluss irgendwann am späten Nachmittag abgeholt wird. Eine Arbeitskollegin meines Mannes lobte die Krippe, wo sie ihr Kind unterbringt, weil sie es auch nehmen, wenn es Fieber hat. Ganztagsschulen sind ja momentan auch groß im Kommen. Die Mamas haben keine Zeit mehr für ihre Kinder und die Kinder haben keine Zeit mehr zum Kindsein. Das ist ein schrecklicher Teufelskreis und ich will da nicht mitmachen.

Ich will meinen Kindern Zeit geben, sie so lange wie nötig von unnötigem Terminstress fernhalten. Nein, mein Kinder lernen noch keine Gitarre und gehen tatsächlich in kein Kinderturnen. Dafür klimpern sie schräg auf meinem Klavier herum und wir singen lustige Lieder dazu. Und der Kletterbaum vor unserem Haus ist ein wahres Kinderparadies! Meine Kinder sollen ihre Kindheit genießen dürfen. Das wünsche ich ihnen von ganzen Herzen.

Weihnachtsstress

Ich habe heute einen Kartenständer mit Weihnachtskarten gesehen. Süße kleine, glitzernde Tannenbäumchen. Weihnachtsplätzchen schön dekorativ arrangiert. Engelchen mit zarten Flügeln. ‚Merry Christmas‘ als schön verzierter Schriftzug. Ich finde Weihnachtskarten schön. Ich verschicke Weihnachtskarten unheimlich gerne. Ich bekomme gerne Weihnachtskarten. Doch irgendwie kam beim Betrachten der Karten nicht so die rechte Stimmung in mir auf. Dieses Jahr ist alles anders:

Es gibt erst eine Sorte selbstgebackener Plätzchen in unserem Haus. Wer mich kennt, weiß, dass das nichts Gutes bedeutet.
Ich habe das erste Mal überhaupt nur die Hälfte aller Weihnachtsdeko aus den Kisten geräumt. Auch kein gutes Zeichen.
Aus der Helfer-Liste, die im Kindergarten aushängt, hab ich meinen Namen, den ich vor ein paar Wochen ganz optimistisch reingeschrieben habe, klammheimlich wieder durchgestrichen. Peinlich. 

Und heute, als ich mir diese wunderschönen Weihnachtskarten angesehen habe, ratterte mein Gehirn, wem ich noch unbedingt eine Karte schicken muss und überhaupt, und da plötzlich wurde mir klar: ich werde dieses Jahr keine Weihnachtskarten verschicken können. Keine Weihnachtskarten. Ich kapituliere. Keine Schoko Crossies. Keine Mandelhörnchen. Keine künstliche Tannengirlande an der Haustür. Mir fehlt einfach die Zeit und die Energie.

Ich habe die Weihnachtskarten also Weihnachtskarten sein lassen und bin weiter gegangen. Ich habe über Weihnachten nachgedacht und über ein Gespräch mit einer Bekannten, wo wir uns beide einig waren: Weihnachten ist die stressigste Zeit des Jahres. Warum eigentlich, frage ich mich. Es beschäftigt mich alle Jahre wieder: wie kann es sein, dass Weihnachten wie keine andere Zeit im Jahr uns Mütter zeitmäßig dermaßen in die Knie zwingt?

Ich denke an das Kind in der Krippe. Ich denke an mein Baby und dass es mich seit Wochen nachts nicht schlafen lässt. Ich denke an all meine Unzulänglichkeiten und dass es in diesem Jahr hauptsächlich Lebkuchen von Aldi geben wird. Ich denke daran, wie lieblos ich meine Tochter heute Abend angeschnauzt habe, weil sie (mal wieder) einen halben Meter vorm Klo in die Hose gepinkelt hat. Ich denke an meinen Mann, der auf Geschäftsreise ist und an dem ich in den paar Minuten, wo ich ihn heute am Telefon hatte, meinen Frust vom ganzen Tag ausgelassen habe. Ich denke an meine Wut, meine Müdigkeit, meine Bitterkeit, meine Enttäuschung, an die Erwartungen, die ich an mich selbst stelle. Und dann denke ich wieder an das Kind in der Krippe.

Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, dass ausgerechnet jetzt zu dieser Zeit meine ‚Baustellen‘ an die Oberfläche kommen. Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, dass ich dieses Jahr nicht zum Karten schreiben kommen werde. Und zum Plätzchen backen. Denn darum geht es gar nicht. Es geht um das Kind in der Krippe. Es geht um Jesus. Dass er gekommen ist. Nicht zu den Reichen und Schönen. Zu denen, die alles unter Kontrolle haben. Er kam auf diese Welt für Menschen wie mich. Abgekämpft. Müde. Alleine. Überfordert. Sündig. That’s me in dieser Weihnachtszeit.

Morgen ist ein neuer Tag. Sehr wahrscheinlich werde ich mich wieder todmüde aus dem Bett quälen. Sehr wahrscheinlich wird es am Morgen wieder stressig sein und ich werde die Adventsgeschichte nur schnell beim Frühstück vorlesen können. Nix mit gemütlich auf der Couch kuscheln. Ich werde sehr wahrscheinlich nicht die Ruhe selbst sein, wenn es am Abend heißt alle vier halbwegs pünktlich ins Bett zu bringen.
Aber es ist ein neuer Tag. Und seine Gnade ist neu jeden Morgen.

Ich denke an das Kind in der Krippe. Die Weihnachtskarten kommen mir plötzlich sehr unwichtig vor. Vielleicht verschicke ich ganz relaxt im neuen Jahr einen ‚Januargruß‘. Mit der Jahreslosung für 2014: ‚Gott nahe zu sein ist mein Glück.‘

‚Genießen Sie es!‘

Ich hatte heute einen weniger guten Tag. Ich war sehr müde, die Kinder haben am laufenden Band gestritten und wir hatten einen Zahnarzttermin. Ich habe heute definitv zu oft genervt die Augen verdreht. Um halb 10 Uhr morgens fühlte ich mich schon so, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Um 11 war der Termin beim Zahnarzt. Mit. allen. Kindern. Es graute mir.

Ich weiß nicht, wie oder warum meine Kinder das machen: aber wenn es darauf ankommt, sind sie (meistens) vorbildlich. Als würde man einen unsichtbaren Schalter umlegen. Zu Hause: Gebrüll. Öffentlichkeit: Leise und freundlich. Zu Hause: ‚NEIN. MAMA!!‘ Öffentlichkeit: ‚Ja. Mama.‘ Das funktioniert meistens. Nicht immer. Und ich bin für diesen unsichtbaren Schalter sehr dankbar.

Meine Kinder waren also Engel in der Zahnarztpraxis. Selbst unser Jüngster, der ebenfalls daheim nur gequengelt hat, strahlte mit seinen Schwestern um die Wette. Die Untersuchung lief gut, keine Löcher, kein Karies. Puh.

Als ich dann alle meine Kinder eingesammelt habe und mich verabschieden wollte, sagte der Zahnarzt noch: ‚Genießen Sie diese Zeit mit ihren Kindern. Sie werden so schnell groß! Sie hören das wahrscheinlich oft, aber es ist wirklich so: genießen Sie diese Zeit.‘ Ich hatte einen kurzen Flashback zu den Minuten, bevor wir zu Hause los sind. Ich wollte schon sagen: ‚Meine Kinder sind nicht immer so.‘ Statt dessen sagte ich: ‚Ich nehme mir das zu Herzen.‘

Und das will ich wirklich. Denn auch wenn es manchmal anstrengend ist bis zum geht- nicht- mehr, und ich mich mir ein One Way Ticket nach so-weit-weg-wie-möglich wünsche und es mich ärgert, wenn bei jedem Essen irgendeine Zutat dabei ist, die mindestens ein Kind zu Ekelattacken bewegt, auch wenn die Dreckwäsche nie, nie, nie weniger wird und mein Kind plötzlich wieder in die Hose pinkelt, obwohl es doch schon so gut geklappt hat. Das alles ist nur die eine Seite der Medaille. Es gibt die schönen Momente, die mir Freudentränen in die Augen treiben. Selbst an Tagen wie heute. Die kleinen Hände, die mir eine ‚Frisur‘ machen. Das kleine Baby, das mich anlächelt und mit mir kuschelt. Das ins Ohr geflüsterte Geheimnis. Lautes gemeinsames Lachen am Spielplatz.

‚Genießen Sie es!‘

Der Satz ist heute bei mir hängengeblieben. Und ich will in an euch weitergeben. Genießt es! Genießt eure Kinder. Inmitten von allem Chaos und Wachstumsschüben, Zahnen, schlaflosen Nächten und Schnupfnasen. Genießt eure Kinder. Sie werden so schnell groß.

Schreibblockade

Ich habe eine Schreibblockade. Die heißt Tim und ist fast vier Monate alt.

Wir waren letzte Woche für ein paar Tage an der Nordsee. Ganz kurzfristig gebucht, so wie wir alles zur Zeit etwas planlos handhaben. Seit wir wieder zu Hause sind, stehen überall Koffer herum und Plastiktüten voller Dreckwäsche. 3 Tage sind seitdem vergangen und die Koffer sind noch immer nicht ausgepackt. Ich komme zu NICHTS und doch weiß ich am Abend nicht wirklich, was ich eigentlich alles gemacht habe. Alles was ich weiß, ist: ich bin dauerbeschäftigt! Wenn ich nicht stille, wickle ich, wenn ich nicht wickel, werkel ich in der Küche, wenn ich nicht in der Küche werkel, räume ich zum hundertsten Mal die Garderobe auf, wenn ich nicht aufräume, fahre ich zum Kindergarten …. und so geht das weiter und am Ende bleibt doch alles liegen.

Meine armen Kinder fragen sich bestimmt schon, wer die komische Frau ist, die seit Wochen ihnen das Essen kocht. Ich bin irgendwie anders…Verändert ein erheblich gestiegener Stresslevel den Charakter?

Na ja, zumindest fördert er die dunklen Charakterseiten zutage. Das, was ich schön unter Dach und Fach halten kann, wenn es mir gut geht, kommt unkontrolliert zum Vorschein, wenn ich mich überwältigt fühle und übermüdet bin. Für mich als Kind Gottes ist das – so blöd wie das klingt und es sich anfühlt – ein guter Platz. Erst wenn ich mich aus eigener Kraft nicht mehr durch den Tag schleppen kann und Dinge sage und tue, die Jesus definitv nicht verherrlichen, wenn ich – biblisch ausgedrückt – im Schmelzofen wie Silber geprüft werde, dann kann Jesus anfangen, mich zu verändern. Das dunkle, das hässliche, das, was mich von Ihm trennt, kann er verändern, wegschneiden, polieren. Das tut weh! Und meine menschliche Reaktion ist: wegrennen! Flucht nach vorne!

Wir sind immer schnell am Beten, dass Jesus uns aus schwierigen und anstrengenden Situationen befreit. Aber manchmal, ich wage zu sagen, sogar oft, will Jesus, dass wir durch diese Zeiten hindurch gehen und durch die Schwierigkeiten uns läutern lassen und mehr werden wie Er. Das funktioniert am besten in der Wüste, wenn wir uns nur an Jesus festhalten können. Also, nicht immer sich in die Zukunft wünschen, wenn die Kinder endlich ‚aus dem Gröbsten raus sind‘. Nicht immer auf einfache Zeiten hoffen. Ihr lieben Mamas, lasst uns das Hier und Jetzt, das Heute, das in-der-Nacht-stillen, das früh-um-halb-6-geweckt-werden, das trotzig-auf-den-Boden-schmeißen (damit meine ich deine Kinder, nicht dich!), das 1000 mal-ermahnen-müssen – lasst uns unseren ALLTAG annehmen und sagen: ‚Jesus, mit DIR! Nur mit DIR und zu Deiner Ehre! Heute will ich DIR dienen! Heute will ich meine Kinder zu DIR hinlieben! Für dich! Weil Du mich hierhin gestellt hast. Weil das meine Aufgabe ist in deinem Reich!‘

Jetzt hat meine Schreibblockade mich doch einiges tippen lassen. Aber nur, weil mein lieber Ehemann die Schreibblockade gerade oben im Schlafzimmer herumträgt. Ich bin gesegnet. Euch auch eine gesegnete, Jesus-erfüllte Zeit! Ich werde wieder von mir hören lassen. Demnächst irgendwann mal. =)