Trotzdem

Wütend reche ich das Laub zusammen. Schneide frustriert alte, längst verwelkte Blumen ab. Und fühle den Herbstnebel fast körperlich wie eine schwere, kalte Decke.

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Das Leben ist gerade, mal wieder, schwierig, herausfordernd, unberechenbar. Die Heizung in unserem Haus ist komplett kaputt. Das heißt, mehrere Wochen kein warmes Wasser. Jetzt pünktlich zum Kälteeinbruch. Das Problem nicht selber lösen zu können, sondern von unseren Vermietern abhängig zu sein, die sich nicht in unsere Situation hinein fühlen, ist schwer. Tut weh. Enttäuscht mich.

Mein lieber Mann macht aus der Not eine Tugend und geht mit den Kindern schwimmen, wenigstens sind sie dann geduscht und sauber. Denn mit Wasserkocher und eiskaltem Wasser aus der Leitung ist das Duschen gerade eine große Herausforderung. Die normalsten, selbstverständlichsten Dinge sind plötzlich lauter unüberwindbare Mauern. Ich weine viel zur Zeit. Die Nerven sind angespannt.

Gott sei Dank haben wir Feuer im Ofen und Strom und ich kann meine Wut an den Tasten meines Laptops auslassen. Und außerdem wollte ich sowieso schon längst mal wieder bloggen.

Inmitten von Herbstnebel, kalten Kinderzimmern und Heizungsmonteuren im Keller suche ich Jesus. Ich fühle mich ein bisschen so wie Petrus auf dem Wasser, der den Fokus verliert und untergeht. Ich weiß, dass ich meinen Blick auf Jesus richten muss, dass ich gerade jetzt, wo alles drunter und drüber geht, trotzig, überzeugt, felsenfest auf ihn schauen muss. Jetzt erst recht! Trotzdem! Ich brauche meinen Erlöser inmitten meiner Lebensstürme.

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Vor dem Sommer befanden wir uns als Familie auch in einer schwierigen Situation und Gott ist auf überwältigende Art und Weise zu uns durch gebrochen. Auch erst nach vielen Tränen, Gebeten, und Was-nun-fragen. Ich habe mir damals vorgenommen, in Krisenmomenten diese Erfahrung herzuholen, mich da drauf zu stellen und zu Gott zu sagen: du wirst es wieder tun. Du wirst wieder Wunder tun. Du lässt uns nicht im Stich.

Jetzt bin ich dazu herausgefordert. Glaube wächst mit jeder Herausforderung. Und jeder Sieg, der im Gebet und Geduldig sein errungen wird, ist wie ein weiterer Stein, der mein Fundament sicher und stabil macht. Ich lerne, dass mein Gott vertrauenswürdig und gut ist. Egal, wie die Umstände aussehen.

Als Jesus die 5000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen versorgt, haben die Jünger alles hautnah miterlebt (Matth. 14). Ich stelle mir das gigantisch vor! Wer würde je wieder an der Macht Jesu zweifeln, der so ein riesengroßes Wunder mit eigenen Augen gesehen hat? Nur ein Kapitel später, lesen wir von einer ähnlichen Situation. Das Erstaunliche: die Jünger scheinen vergessen zu haben, was sich nur ein paar Tage oder Wochen zuvor ereignet hat. Es sind dieses Mal weniger Menschen (4000) und sie haben mehr Essen zur Verfügung (7 Brote und einige Fische). Also eigentlich bessere Voraussetzungen! Und trotzdem haben die Jünger keine Ahnung, wie all die Menschen versorgt werden sollen. Und Jesus tut wieder ein Wunder und es bleiben wieder Körbe voller Essen übrig. Jeder ist satt geworden.

Wann lerne ich, dass Jesus aus meinem Wenig Überfluss schaffen kann? Wann begreife ich, dass mein Gott ein Gott ist, der Wunder tut – nicht nur einmal, sondern immer wieder? Wann verstehe ich, dass ich meinem himmlischen Vater absolut vertrauen kann?

‚Mit meiner Seele will ich den Herrn loben und das Gute nicht vergessen, das er für mich tut.‘ (Psalm 103,2)

Wenn es das Leben schwierig und herausfordernd ist, wenn die Heizung kaputt ist, das Konto leer, Menschen mich unfair behandeln, ich mich alleine fühle, wenn ich denke, ich hätte versagt – dann ist das Rezept für Dankbarkeit und Freude die Erinnerung an all das, was der Herr schon für mich getan hat.

Denn die Wahrheit ist: ich bin geliebt, ich bin mehr als eine Überwinderin, ich bin stark, auch wenn ich schwach bin, ich bin niemals allein. Ich bin reich, ich bin berufen, ich bin zum Leben befähigt.

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Und so werde ich mich wieder ganz neu auf die Wahrheit stellen, die ich in Gottes Wort finde. Ich werde nach dem Wunder Ausschau halten, weil Gott versprochen hat, dass er mich versorgt. Ich werde jetzt schon danken und Loblieder singen, weil ich schon so oft erlebt habe, wie wunderbar mächtig Gott ist – und ich werde es wieder sehen.

Dieses Lied erinnert mich immer wieder daran, dass Gott mich niemals im Stich lässt…

 

Mein Mann und ich leiten gemeinsam die Organisation ‚Free Indeed‘ (www.free-indeed.de) Es ist unsere große Sehnsucht, dass Männer und Frauen die Freiheit entdecken, die durch Jesus möglich ist. Wir haben 2016 auf den Ruf Gottes geantwortet und leben seitdem zu 100% von Spenden. Durch diesen Lebensstil sind wir dazu freigesetzt, unsere ganze Arbeitskraft in das Reich Gottes zu investieren. Wir suchen Partner, die uns regelmäßig oder einmalig mit einer Spende unterstützen. Wenn du spürst, dass Gott dir das aufs Herz legt, dann freuen wir uns von dir zu hören! Auch wenn du Fragen hast, kannst du dich jederzeit melden: inka@free-indeed.de

Alle Fotos von unsplash.com

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My home is my castle

Als Kind habe ich davon geträumt, einmal in einem eigenen Haus zu wohnen. Ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie dieses Haus aussehen soll. Groß, weiß gestrichen, eine Veranda. Später kamen dann noch andere Wünsche dazu, wie eine Hollywoodschaukel, alte Obstbäume im Garten, eine weiße Bank vor’m Haus, eine große Landhausküche… Heute wohne ich in einem typischen Reiheneckhaus. Als Mieter. Mit einem durchschnittlichen Garten – ohne Obstbäume. Keine weiße Bank. Kein Platz für eine Hollywoodschaukel. Unser Haus ist schön und ich bin sehr dankbar, dass wir hier wohnen können! Aber mit meinen Träumen hat es nicht viel gemeinsam.

Manchmal kommt in mir Unzufriedenheit hoch. Die Küche ist hier viel zu klein. Ich kann immer nur mit einem Kind, maximal zwei, einen Kuchen backen und selbst da ist es dann schon fast überfüllt. Ich muss sofort Geschirr wegräumen, weil ich sonst keinen Stellplatz habe. Ich mag die Raumeinteilung im ersten Stockwerk nicht. Da wurde nicht wirklich schlau geplant, finde ich. Und oft nervt es mich, dass alle Nachbarn in unseren Garten reinschauen können und ich keine Privatsphäre habe, wenn ich auf der Terrasse sitze. Wenn ich ein eigenes Haus hätte, dann….!

Ich würde komplett andere Badfliesen wählen. Und anderen Laminatboden. Die Diele sollte offen und lichtdurchflutet sein. Mein Traumhaus hätte einen Holzgartenzaun und die nächsten Nachbarn wären so weit entfernt, dass ich ohne schlechtes Gewissen, bei offenem Fenster Klavier spielen könnte. Oh, wenn ich nur ein eigenes Haus hätte, dann….!

Heute drohte wieder eine Welle von dieser Unzufriedenheit mich zu überrollen – da fiel mir ein Buch in die Hände von einer Frau, die ebenfalls viel zur Miete wohnte und sich ihr Zuhause trotzdem schön und kreativ und individuell einrichtete. ‚It doesn’t have to be perfect to be beautiful‘, steht auf dem Cover. Oh, wie wahr! (The Nesting Place, Myquillin Smith)

Schönheit liegt im Detail
Schönheit liegt im Detail

Als ich dann später durch unsere Haustüre ging, versuchte ich ‚mein‘ Haus mit anderen Augen zu sehen…ja, da gibt es Ecken und Kanten, die mich nerven, die ich lieber ganz anders hätte. Aber ‚mein‘ Haus hat auch so viele schöne Seiten! Ich habe hier schon viel dekoriert und wieder umdekoriert, Möbel herumgeschoben, Zimmer umgeräumt, Wände gestrichen, Vorhänge ausgesucht…Dieses Haus hat meinen Fingerabdruck…ich versuche viel und versuche es gerne, dass meine Familie sich hier wohlfühlt – und ich mich auch. Es ist nicht mein Traumhaus, aber Gott hat es mir für diese Zeit in meinem Leben zur Verfügung gestellt und ich will das Beste daraus machen. Ich fühle mich heute wieder frisch inspiriert, neue Dekoideen auszuprobieren, mal wieder auf einen Flohmarkt zu gehen, die alten Windlichter aus dem Keller zu holen! Dekorieren, statt jammern! image2 Da wo du wohnst, soll dein Herz zur Ruhe kommen, deine Seele aufatmen. Deine Kinder sollen sich hier wohl fühlen, dein Mann gerne nach Hause kommen. Mach deine vier Wände zu deinem Schloss. Egal ob Altbauwohnung in der Stadtmitte oder Einfamilienhaus im Grünen. Wohnst du in einer Plattenbausiedlung? Im Reihenhaus? Geh einmal wieder mit offenen Augen durch die Räume, bleib stehen, beobachte den Lichteinfall, lass alles wieder neu auf dich wirken. Das hier – diese 60, 100 oder 150 qm sind Gottgegebenes Gebiet. Dein Terrain. Mach es schön. Mach es zu einem Hafen für dich, deine Familie und für all die Menschen, die ein und ausgehen.

P.S. Ich werde immer mal wieder Dekoideen auf meiner Facebook Seite posten! Und es wäre schön, wenn du da mitmachst! Wie arrangierst du die Frühlingsblumen auf dem Tisch? Hängst du die selbstgemalten Kunstwerke deiner Sprösslinge auf? Wie hast du den Tisch beim letzten Brunch mit Freunden gedeckt? Lasst uns uns gegenseitig inspirieren zu einem schönen, gemütlichen und kreativen Zuhause!